Out of

Wir haben am 2. April (44 Tage vor der Eröffnung) die Künstlerin Barbara Caveng und ihre Sozialparkettstube in der Okerstraße vorgestellt. Immer mittwochs veröffentlichen wir ihre Tagebuchnotizen. Aber Vorsicht: Satire!

Der Palästinenser lehnt wie immer auf einem Bein an der Hauswand vor dem Internetcafé und scheint auf seine Abschiebung zu warten.

„Wir sind hier nicht im Grunewald“, sagt mein Hausmeister.

Die Okerstrasse liegt in Afrika. Der Blick spielt mit den Sanddünen vor dem Ladenfenster, die leicht zugekniffenen Augen lassen den kontrastierenden Hintergrund aus Hausfassaden und Baustellenwerkzeug in Unschärfe abgleiten. Schönheit für Sekunden bevor sich die zu klein gewordenen Behausungen zu oft gewaschener Sweatshirts in beige und traurighimmelblau über sich blähenden Kugelbäuchen durchs Bild schieben.

„Um Lieblosigkeit geht es doch“, sagt einer von denen die drinstecken. An ausgeleierten Bündchen baumeln Hände.

Versuchen Sie doch bitte mit dem Elektrorasierer das Heer von Fusselbällchen auf Ihrem Pullover wegzumachen. Das würde mich beruhigen.

Der vermeintliche Palästinenser ist Libanese und seit zehn Jahren in Deutschland. Seinen Job hat er letztes Jahr verloren. Er arbeitet jetzt im Unternehmen seines Bruders. Auto-Export. Nach Afrika.

Barbara Caveng

Kommentare

  1. […] von barbara caveng im BLOG des Museums Neukölln veröffentlicht. Heute sind es Gedanken  ‘Out of…’ […]

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