Die Brücke zum Museum

Eine kleine Gute-Nacht-Geschichte (4. und letzter Teil)

Forts. vom 25.4. – 21. Tag vor der Eröffnung
Die Sonne brannte jetzt heiß auf der Brücke und Robert lief nur noch langsam.Am Wegesrand stand ein Becken mit Wasser, das sich ihm zur Erfrischung anbot.

Er tauchte seine Hände in das Nass und kühlte damit sein Gesicht.

„Nimm nur vom Wasser“, sagte das Becken plötzlich. „Doch Du musst wissen, dass ich einst zu höheren Dingen berufen war. Wenn Du mich genau betrachtest, siehst Du an meinen schönen Verzierungen und den eingelassenen Figuren, dass ich noch vor hundert Jahren ein Taufbecken in einer evangelischen Kirche war. Mehr als  3000 Kinder sind mit meinem Wasser getauft worden. “

„Dann wurde mit Deinem Wasser vielleicht meine Urgroßmutter getauft“, überlegte Robert.

„Vielleicht“, sagte das Taufbecken, „ich stand einmal in der Dorfkirche von Buckow, das dann später Teil von Rixdorf und später Neukölln wurde.“

„Was für ein Glück, dass es Dich noch gibt“, sagte Robert.

Nachdem sich Robert erfrischt hatte, lief er weiter auf der Brücke entlang und war riesig gespannt, was ihm als nächstes begegnen würde. Ein Windhauch wie von einem Flügelschlag berührte ihn plötzlich am Ohr. Und als er sich von dem Schreck erholt hatte, saß ein großer Vogel vor ihm.

„Ich habe Dich beobachtet“, sagte der Vogel, „Du bist schon einen weiten Weg auf der Brücke gegangen und hast viele Dinge gesehen. “

„Was bist Du für ein riesiger Vogel“, fragte Robert voller Erstaunen.

„Ich bin eine Großtrappe und war früher auf den Rudower Feldern im Süden Neuköllns noch bis in die sechziger Jahre zu Hause. Als die Gropiusstadt gebaut wurde, hat man mich umgesiedelt. So kann’s einem gehen.“

„Und wo bist Du jetzt zu Hause?“ fragt Robert.

„Jetzt kannst Du mich in Neukölln nur noch im Museum besuchen.“, sagte die Großtrappe. „Auch die anderen Dinge, die Dir begegnet sind, wirst Du dort wieder sehen.“

„Robert!…. Robert!“, hörte der Junge ein fernes Rufen. Er schlug die Augen auf und …

… vernahm die Stimme seiner Mutter aus dem unteren Stockwerk. „Du musst ins Bett, Robert“, sagte seine Mutter. Robert kletterte die schmale Treppe vom Dachboden hinunter. Kaum in die Stube eingetreten, fragte er seine Mutter: „Wo ist hier in Neukölln das Museum?“ „Warum willst Du das wissen?“ fragte sie. „Ich will dort die Großtrappe besuchen gehen“, sagte Robert. „Das Museum Neukölln ist auf dem ehemaligen Gutshof in Britz“, sagte seine Mutter, „dort können wir am Wochenende ja Mal hingehen“ „Au, ja“, sagte Robert, schon ganz schläfrig und schlief wenig später ein.

ENDE

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