HOI!

Wir haben am 2. April (44 Tage vor der Eröffnung) die Künstlerin Barbara Caveng und ihre Sozialparkettstube (www.kunstparkett.net) der Okerstraße vorgestellt. Immer mittwochs veröffentlichen wir ihre Tagebuchnotizen. Aber Vorsicht: Satire!

Die Füße des Mannes sind zu klein und im Keller ist kaum Licht. Die dicken weißen Schuhsohlen leuchten, der Mann bewegt sich auf Luftkissen. Wie Nils Armstrong auf dem Mond. Zwei Reihen spitz zulaufender goldener Ösen säumen links und rechts am Schaft die Zunge. Goldzähne an den Füssen.

Keine Mondlandschaft, sondern Unterwasserwelt. Haifischschuhe. Der Mann lebt von Zwangsauflösungen. Er räumt Wohnungen, die wie auf der Flucht verlassen wurden, in denen die Socken noch neben dem Bett liegen und an der Messerklinge Nutoka klebt. Manchmal nimmt er etwas mit und stellt es bei sich in den Keller. Nichts Besonderes. Kleine Möbelstücke, Kommoden, Garderoben, Spiegel. Nichts Wertvolles, eher Andenken an die, die geflohen sind.

Der Mann hat mich eingeladen, mir etwas aus seinem Fundus der Tristesse für das NEUKÖLLNER SOZIALPARKETT rauszusuchen. Ein kleines Schränkchen schimmert blau, ein ästhetisches Hoffnungsglimmen zwischen den Imitaten in „Buche hell“. Der Mann sucht noch immer den Lichtschalter. An der Wasseroberfläche scheint die Sonne.

Der Araber von gegenüber, der Kurde ist, lacht und schickt ein „Hoi“ über die Strasse.  „Hoi!“ Er lernt Schweizerdeutsch. Er möchte auswandern. Baldmöglichst.

„Än schöne no!“*

* Schweizerdeutsch für: Ich wünsche einen schönen Tag!

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