Siebenstriemer

o. J., Holz, Leder
Länge: 31 cm, Durchmesser: 2 cm
Spende: Erna Schneider, 1988


Dieses Prügelinstrument aus Leder und Holz,
auch Klopfpeitsche genannt, ist zur Züchtigung von Kindern eingesetzt worden. Sein französisches Vorbild ist der Martinet. In Deutschland wird die körperliche Züchtigung in der Schule erst 1973 endgültig verboten. Vor dem Ersten Weltkrieg sind viele Kinder körperlicher Gewalt ausgesetzt. Häufig müssen sie auch vor oder nach der Schule arbeiten, um die Familie zu unterstützen. Für eine Änderung dieses Zustands setzt sich der Rixdorfer Volksschullehrer Konrad Agahd ein. Er gilt als der „Vater“ des Kinderschutzgesetzes von 1903.

Siebenstriemer

Kommentare

  1. GWally schrieb am 16. Dezember 2012 um 20:08 Uhr

    Traditionelle häusliche Erziehung

    Der Siebenstriemer hieß bei uns in Sachsen, insbesondere im Erzgebirge, Ochsenziemer und kam wohl bis Anfang der 60ger Jahre in jeder guten Familie mit Kindern vor. Je nach Temperament der Eltern wurde er auch zur mehr oder weniger schmerzhaften Erziehung von Jungen und Mädchen eingesetzt.
    In anderen Landstrichen wird er auch Klopfpeitsche, Siebenriemchen, Siebenschwanz, Siebensträhner, Neunschwänzige, Farrenschwanz, Ochsenfiesel, Hunderiemen oder wie in Frankreich, Martinet genannt.
    Der Ochsenziemer ist eine Riemenpeitsche mit 5 bis 7 rechteckigen Lederriemchen, die 40 cm lang und an einem 28 cm langen Holzgriff befestigt sind. Für kleinere Kinder gab es eine etwas kürzere Variante mit einer Gesamtlänge von nur 55 cm.
    Die Einheitlichkeit der Maße läßt fast schon auf eine DIN- oder TGL-Norm schließen.
    Der so oft genannte Rohrstock war mehr in den Schulen anzutreffen, jedoch zu meiner Kindheit schon längst nicht mehr.
    Auch bei uns zu Hause lag so ein Ochsenziemer auf dem Küchenschrank. Auf dem Foto ist der Original-Ochsenziemer auf dem Original-Küchenschrank zu sehen, nur die Szene ist 2006 nachgestellt.
    Ganz schlimm verhauen wurde ich damit nicht, konnte es mir auch gar nicht vorstellen, wie es ist, das aushalten zu müssen. Ich hatte großen Respekt davor, denn er konnte ja wirklich mal so richtig auf meinem Po, womöglich auf den nackten Hintern tanzen.
    Nun war das aber damals so und wurde von uns Kindern auch akzeptiert. Respektvoll schaute ich gelegentlich auf den Küchenschrank, ob der Ochsenziemer auch noch dort lag. Ihn anzufassen habe ich mir schon nicht getraut.
    Nun kann man zu einer körperlichen Züchtigung mit einem Ochsenziemer stehen wie man will, es tut höllisch weh, macht rote Striemen, die aber schneller als bei dem Rohrstock vergehen. Außerdem ist bei liebe- und verantwortungsvollen Eltern die Strafe schnell wieder vergessen. Anders ist das mit Stubenarrest, Fernsehverbot, Entzug von Taschengeld o.ä.

    Ende der 60ger Jahre schlug es mit der antiautoritären Erziehung in das andere Extrem um. Der Ochsenziemer und alles was damit in Verbindung stand, wurde totgeschwiegen.
    Dazu kam noch, daß das goldene Handwerk der Schumacher zwischenzeitlich fast ausgestorben ist und damit die Herstellung der Ochsenziemer mit den Riemchen aus Lederrestern.

    Neuerdings tauchen zu meiner Freude in Museen, historischen Klassenzimmern oder sogar in Gaststätten wieder die bekannten Ochsenziemer auf.
    Bei eBay findet man sie als Dachboden-, Keller- oder Scheunenfund und kann sogar mit ihnen Preise zwischen 20 und 30 € erzielen.

    Wer hätte das gedacht!

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