Christi Himmelfahrt

Wir haben am 2. April die Künstlerin Barbara Caveng und ihre Sozialparkettstube (www.kunstparkett.net) der Okerstraße vorgestellt.
Immer mittwochs veröffentlichen wir ihre Tagebuchnotizen. Aber Vorsicht: Satire!

Der Himmel ist weiß und leer. Das Leben wirkt abgestanden wie einer billigen Bahnhofskneipe, in der die Neonröhren flackern und längst ausgewechselt werden müssten.

Niemand sieht schön aus in diesem Licht. Ein Mann liebkost ein grünes Stofftier.

Ich inventarisiere in meinem Kopf die Variationen an Beinprothesen, die sich am Ladenfenster vorbeischieben. Für die monströs dicke Frau, die einen leeren Einkaufswagen als Gehhilfe benutzt, lege ich eine eigene Kategorie an.

Sindi sagt, Neukölln ist besser als die Okerstraße und Hannover besser als Neukölln.

Hoffentlich. Das Mädchen reißt die Arme weit auseinander, wenn sie die Ratten beschreibt, die durch ihren Hof laufen. Die Zehnjährige ist öfter umgezogen als sie alt ist. Wir ziehen um, wenn Mama sich langweilt. Jetzt ist es wieder soweit. Ein Glück, denke ich. Die Kakerlaken in den Schilderungen des Mädchens zerstören jedes Kinderzimmeridyll.

Sindi war vor kurzem in Tropical Islands. Da hat es ihr richtig gut gefallen. War aber leider nach 14 Stunden vorbei.

Sehr zu bewundern ist die optimistische Lösung zur Verbesserung der Lebenslage eines weiteren Okerstraßen-Bewohners: Der hat sich nämlich einen Globus ins Fenster gestellt.

Für eine bessere Aussicht mit unverbaubarem Blick. Ein Silberstreif am Horizont.

Kommentare

  1. […] werden Tagebucheinträge von barbara caveng im BLOG des Museums Neukölln veröffentlicht. An Christi Himmelfahrt war der Himmel weiss und leer… […]

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