Drei Dinge meines Lebens – Interview mit der Dokumentarfilmerin Ursula Scheid

Dreharbeiten im Museum Neukölln. Foto: Barbara Hoffmann

Dreharbeiten im Museum Neukölln. Foto: Barbara Hoffmann

Zu einem der Highlights meines Praktikums am Museum Neukölln zählt das Interview, das ich mit der Dokumentarfilmerin Ursula Scheid führen durfte. Anlässlich der Ausstellung „Drei Dinge meines Lebens“ hat Frau Scheid ein Konzept für neun Filmportraits entwickelt und umgesetzt. An drei Tagen wurde von ihr und Kameramann Philip Vogt das Büro des Museumsleiters Udo Gößwald in ein Filmstudio verwandelt. Im Anschluss an die Dreharbeiten durfte ich der Filmemacherin ein paar Fragen stellen.

AV: Sie haben den Film anlässlich der Ausstellung „Drei Dinge meines Lebens“ konzipiert, wie fügt sich der Film in die  Ausstellung ein?

US: Im Vorfeld haben wir uns intensiv mit dem Ausstellungskonzept auseinandergesetzt. Während in der Ausstellung die Dinge präsentiert werden, zeigt der Film die Menschen, die hinter diesen Dingen stecken.

AV: Wie schaffen sie eine Verbindung der beiden Medien Ausstellung und Film?

US: Die Präsentation der Dinge im abgedunkelten Ausstellungsraum, in dem die neun mal drei Dinge in Vitrinen ausgeleuchtet werden, korrespondiert mit der filmischen Umsetzung. Wir führen das Lichtkonzept der Ausstellung fort, indem wir mit einem dunklen Hintergrund arbeiten und den Fokus durch die Lichtsetzung auf Gesicht und Ausdruck legen.

AV: Können sie das visuelle Konzept noch etwas genauer erläutern? Welche Bilder erwarten die Besucher?

US: In den Filmportraits soll der Zuschauer nicht nur die Geschichten hören, sondern den Menschen zu den Dingen erkennen und ihm nah kommen. Deshalb haben wir uns für sehr nahe und frontale Einstellungen entschieden und bei der Montage weit gehend auf Zwischenschnitte verzichtet. Wir schauen den Protagonisten in die Augen und erleben ihre Persönlichkeit. Wir sind nah und bleiben nah, sodass Momente der Intimität zwischen Protagonist und Zuschauer entstehen – verstärkt durch das Hören mit Kopfhörern.

AV: Der Zuschauer fühlt sich von den Personen demnach direkt angesprochen?

US: Genau das ist der Gedanke, der dahinter steckt. Damit es allerdings nicht langweilig wird, haben wir uns für unterschiedliche Erzählweisen entschieden. Die Gespräche dauern 6 bis 12 Minuten. Jeder hat die Zeit bekommen, die er benötigte. Während der eine akkurat nacheinander seine Dinge beschreibt, nimmt sich ein anderer Protagonist mehrere Pausen und macht einen Ausflug zum Sinn der Dinge. Die Dinge werden miteinander verknüpft oder einzeln beschrieben. Einmal werden sogar zwei der Objekte gar nicht benannt, sie sind der Erzählung eines langen, intensiven Lebens untergeordnet.

AV: Die Kuratoren der Ausstellung erklären, sie wenden sich mit „Drei Dinge meines Lebens“  der subjektiven Bedeutung von Dingen zu. In Dingen sei auch immer etwas von ihren Besitzern enthalten. Wie gelingt es Ihnen die Nähe zwischen den Personen und ihren Dingen filmisch darzustellen?

US: Während des Drehs im Museum Neukölln waren die Dinge im Raum anwesend, so dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer während der Aufnahmen mit ihnen in Kontakt standen und mit ihnen kommunizieren konnten. Die Objekte sind zwar im Film nicht sichtbar, dennoch wird die besondere Beziehung zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern und ihren ausgewählten Dingen spürbar.

AV: Wie arbeiten sie mit den neun Protagonisten und ihren individuellen Geschichten?

US: Wir haben zusätzlich zu den nahen Einstellungen während des Erzählens Details gedreht, die wir für die jeweilige Person charakteristisch fanden. So beginnt ein Film beispielsweise mit dem Bild der Schuhe der Protagonistin, ein paar Filmminuten später erfahren wir dann, warum sie ein Paar Schuhe für die Ausstellung ausgewählt hat. Oder wir zeigen Hände, die sich bewegen, etwas illustrieren, aber auch vom Gitarrespielen erzählen. Jedes Detail hat unmittelbar mit dem Menschen und im weiteren Sinn auch mit seinen Dingen zu tun. In der Montage werden diese Bilder unterschiedlich eingesetzt, mal am Anfang, zwischendrin oder am Ende, und bewusst nicht mit Sprache unterlegt. So wird die Persönlichkeit der Protagonisten unterstrichen und der Zuschauer hat die Möglichkeit zur stillen Betrachtung und eigenen Gedanken.

AV: Wie können sich die Besucher die Filme zur Ausstellung ansehen?

US: Die Filme ergänzen die Ausstellung. Interessierte können sich am Besuchertresen einen iPad ausleihen oder sich auf einem zentralen Terminal die Filme anschauen.

AV: Vielen Dank für das interessante Gespräch.

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