Interview mit Kay Sauerteig vom Mobilen Museum

Nach der Eröffnung der Ausstellung „200 Jahre Turnplatz Hasenheide“ am vergangenen Donnerstag habe ich ein Interview mit Kay Sauerteig, eine der Kuratorinnen der neuen Ausstellung des Mobilen Museums Neukölln, geführt.

Die Kuratoren des Mobilen Museums während der Recherche im Geschichtsspeicher des Museum Neukölln. Foto: Barbara Hoffmann.

Die Kuratoren des Mobilen Museums während der Recherche im Geschichtsspeicher des Museums. Foto: Barbara Hoffmann.

Antje Vogt: Wie entstand die Idee für „200 Jahre Turnplatz Hasenheide“, und warum wurde das Projekt als mobile Ausstellung konzipiert?

Kay Sauerteig: Anlass für die Ausstellung bildet das Jubiläum des ersten deutschen Turnplatzes, den Friedrich Ludwig Jahn 1811 in der Hasenheide gründete. Die Ausstellungen des Mobilen Museums, das seit 2007 existiert, befassen sich mit historischen Orten und Originalschauplätzen im Bezirk Berlin-Neukölln. Die derzeitige Ausstellung, die wenige hundert Meter vom Jahn-Denkmal in der Hasenheide in der Karstadt-Filiale am Hermannplatz präsentiert wird, passt also ins Konzept.

Wie lange habt Ihr insgesamt an dem Projekt gearbeitet, und wie kann man sich die Recherche im Museum Neukölln vorstellen?

Mein Kollege Markus Steffens und ich haben ungefähr im Februar dieses Jahres mit der Recherche begonnen. Aus dem Archiv des Museums Neukölln haben wir  Informationen und vor allem Bildmaterial zusammengetragen. Hier ruhen einige Schätze, die etwas über die Wirkungsgeschichte Friedrich Ludwig Jahns erzählen, wie z. B. ein Originalgutachten von E.T.A. Hoffmann, der Jahn bescheinigt, zwar ein politischer Wirrkopf, nicht aber ein gefährlicher Revolutionär zu sein. Daraus und aus Informationen, die wir in weiteren Spezialarchiven und durch Gespräche mit Experten, wie bspw. Herrn Gerd Stein vom Forum für Sportgeschichte und der Museumspädagogin des Museums Neukölln, Frau Christa Jancik erhielten, haben wir dann gemeinsam mit dem Museumleiter Udo Gößwald und der Graphikerin Claudia Heckel das Ausstellungskonzept erarbeitet.

Was erwartet die Besucher in der Ausstellung im Karstadt-Kaufhaus am Hermannplatz?

Es ist eine kompakte Zusammenfassung des Themas, die interessierten Besuchern die Geschichte der nacheinander an drei unterschiedlichen Orten angelegten Turnplätze in der Hasenheide, die umstrittene Person Friedrich Ludwig Jahn und seines Denkmals und ein wenig die Geschichte der Turnerbewegung im historischen Kontext näherbringt. Auf 14 Schautafeln werden in Bild und Text, insbesondere mit Lithographien, diese Informationen wie wir hoffen ansprechend und anregend aufbereitet.

Wie war die Zusammenarbeit mit Karstadt?

Wir haben bereits 2008 im Karstadt am Hermannplatz eine Ausstellung mit dem Titel „200 Jahre Vergnügungsmeile Hasenheide“ gezeigt. Damals wie heute war die Zusammenarbeit sehr gut. Karstadt ist nicht nur Sponsor des Ausstellungsprojekts, sondern auch ein sehr entgegenkommender Gastgeber.

Wie war die Eröffnung?

Zur Eröffnung richtete zunächst Herr Lehmann von der Karstadt-Geschäftsführung einige Worte ans Publikum und hieß uns in der Filiale am Hermannplatz herzlich willkommen. Mit ihrer Eröffnungsrede führte die Bezirksstadträtin Frau Dr. Giffey thematisch in die Ausstellung ein. Interessierte vertieften sich in die Ausstellungstafeln und bei einem Gläschen Prosecco und Selters blieb noch Zeit für eine Unterhaltung.

Kannst du uns stichwortartig die Arbeit des Mobilen Museums beschreiben?

Mobil trifft schon den Kern. Ich finde es schön, dass man damit raus gehen kann, an unerwarteten Plätzen präsent sein kann und so Besucher erreicht, die sonst vielleicht nicht zum klassischen Museumspublikum gehören. Da das Format überschaubar ist, kann man auch schnell auf Themen reagieren. Außerdem mag ich den Leporello, der erlaubt, das Wichtigste im Taschenformat mitzunehmen, aufzuheben oder weiter zu reichen.

Eine letzte Frage noch zu Deiner Person, was hast Du für einen wissenschaftlichen Background?

Ich bin Sozialwissenschaftlerin, habe als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität gearbeitet, später als Freie im Medienbereich, die letzten Jahre aber überwiegend im Museumsbereich.

Vielen Dank für das Gespräch.

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