All these Things – Ist das Foto von Mustafa Kemal Atatürk ein Ding?

Bei uns im Museum dreht sich im Moment alles um die Bedeutung der Dinge für und im Museum. So auch bei meinem Telefonat mit dem Künstler Andreas Wegner, der am Samstag im Museum Neukölln seine Fotoarbeit „BMW“ als künstlerische Intervention in der Ausstellung „Drei Dinge meines Lebens“ zeigen wird:

Ich: Hallo, Herr Wegner, wir brauchen dringend das Foto von dem BMW für unseren Newsletter.

Wegner: Ja, das ist im Prinzip fertig. Sie können es in zwei Stunden haben.

Ich: Großartig, ich sag’ unserer Grafikerin Bescheid.

Wegner: Ach, ich wollte Ihnen dazu noch was erzählen. Der türkische Geflügelhändler, dem der BMW gehört, wollte auch noch an seinem Schreibtisch fotografiert werden.

Ich: Na, und?

Wegner: Ja, ich habe das gemacht und das Foto ist toll geworden.

Ich: Aha. Wieso?

Wegner: Also man sieht ihn da an seinem Schreibtisch sitzen. Im Hintergrund ist ein Bild von Ata Türk und vorne steht eine türkische Teekanne. Wissen Sie, ich habe jetzt überlegt, ob man das Foto zeigt.

Ich: Machen Sie mich nicht schwach. Wir haben jetzt den BMW groß angekündigt als Ding, das in Neukölln unter vielen Migranten sehr beliebt ist. Auf den können wir nicht verzichten. Aber eigentlich hätten sie jetzt eine Person mit drei Dingen. Vorschlag, so spontan: Wir zeigen den BMW als Großfoto und das andere Bild hängen wir kleiner daneben mit einem erläuternden Text darunter.

Wegner: Na, ja ich überleg’ nochmal. Ich hab’ mir nämlich auch die Frage gestellt: Ist ein Bild von Atatürk wirklich ein Ding?

Ich: Interessante Frage. Ich würde sagen, im Prinzip schon. Das Foto bzw. das Objekt ist allerdings nicht mehr ohne weiteres einer Person zuzuordnen, da es Teil des kulturellen Gedächtnisses einer ganzen Nation geworden ist. Welche unterschiedlichen persönlichen Bedeutungen es für Türken in Deutschland hat, wäre eine interessante Frage.

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