Lebendige Erinnerung – die Kidduschbecher von Simon Adler

Nachfahren von Simon Adler besichtigen die Kidduschbecher ihres Großvaters und Onkels

Kiddusch

Chana Hyman, Erwin Pinnick und Karolin Steinke Foto: Barbara Hoffmann

In einem Brief an den Museumsleiter bedankt sich Erwin Pinnick für den Besuch mit seinen Kindern und Enkelkindern im Museum Neukölln am 26. Juli. 2011.

Daraus ein Auszug:

Lieber Herr Dr. Gößwald,

es war uns eine große Freude, Ihr schönes Museum zu besichtigen. Wir waren sehr davon angetan, dass Sie die Kidduschbecher der Familie meines Onkels in Ihrer ständigen Ausstellung 99 x Neukölln zeigen. Besonders beeindruckt hat uns, dass Sie in Ihrem Geschichtsspeicher so viele Dokumente über die Geschichte unserer Familie und sogar Fotos des Wohnhauses haben, in dem die Eierhandlung von Simon Adler war. Für unsere Kinder war es schön zu sehen, mit wie viel Sorgfalt Sie die tragische Geschichte der jüdischen Bewohner Neuköllns dokumentieren. Viele Menschen hat das Naziregime ausgelöscht. Wir danken Ihnen, dass Ihr Museum und der Bezirk Neukölln sich so um die Erinnerung an sie bemühen.“

Herzliche Grüße und Shalom,

Ihr

Erwin Pinnick

Der Neuköllner Eierhändler Simon Adler hatte die Kidduschbecher vor seiner geplanten Emigration nach Palästina der befreundeten Familie Brandt vermutlich Anfang der 1940er-Jahre als Andenken überlassen. Er und seine Frau wurden 1944 in Auschwitz ermordet. Frau Brandt, die diese Becher über 48 Jahre lang aufgehoben hatte, hat die Becher 1988 dem Museum aus Anlass der Ausstellung „Spuren jüdischen Lebens in Neukölln“ geschenkt. Heute sind die Kidduschbecher als ein Beispiel für jüdisches Leben in der ständigen Ausstellung 99 x Neukölln zu besichtigen. Karolin Steinke erforschte für die Ausstellung die Geschichte hinter den Bechern und wird am Samstag, den 5. November, um 16 Uhr ihr Buch dazu vorstellen.

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