„Hitler ist ein Strolch!“ – ein Stolperstein für Gertrud Seele

Vor dem Haus in der Parchimer Allee 75 verlegte der Künstler Gunter Demnig am 29. November 2012 einen Stolperstein, der an Gertrud Seele (1917 – 1945) erinnert. Die Neuköllner Krankenschwester wurde wenige Monate vor Kriegsende von den Nationalsozialisten hingerichtet.

Der stellvertretende Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Dr. Hans-Rainer Sandvoß, fand vor zahlreichen Zuhörern nur allzu passende Worte für die Unterdrückungspraxis des Terrorregimes und zitierte aus dem Todesurteil des Volksgerichtshofs. Unter den  Anwesenden war auch eine Schulklasse aus der benachbarten Fritz-Karsen-Schule und der Leiter des Museums Neukölln, Dr. Udo Gößwald sowie weitere Mitarbeiter des Museums.

Die im Jahre 1944 wegen Wehrkraftzersetzung und Feindbegünstigung verhaftete Gertrud Seele, hatte unter anderen mit den Worten „Hitler ist ein Strolch!“ Kritik an Adolf Hitler und den sich zuspitzenden Kriegszuständen geübt und war daraufhin denunziert worden.

In Erinnerung gebracht wurde mit dem Stolperstein somit auch der lebensgefährliche und oft tödliche Einsatz der vielen tausend Gegner des NS-Regimes. Im Mittelpunkt stand jedoch die Anteilnahme am Schicksal Gertrud Seeles. Verlesen wurde  ihre letzte verzweifelte Nachricht, die sie aus der Todeszelle in Plötzensee an ihre kleine Tochter schrieb. Das Mädchen musste sie bei den Großeltern zurücklassen. Zur Stolpersteinverlegung war die heute über Siebzigjährige eigens angereist und bedankte sich bei Gunter Demnig und den Initiatoren und Spendern, Andreas Schmidt und Marion Goers von der SPD-Neukölln, Abteilung Rixdorf und Hufeisensiedlung.

Die Verlegung des Steines fand im Rahmen einer Berlinweiten Aktion statt. Im Bezirk Neukölln wurden insgesamt 18 Steine an acht Stellen verlegt, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Stolpersteine liegen inzwischen an mehr als 500 Orten in Deutschland und in mehreren Ländern Europas.

Stolperstein für Gertrud Seele, Foto: Bärbel Ruben

Stolperstein für Gertrud Seele, Foto: Bärbel Ruben

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