50 Türen in die NS-Zeit

50 Türen

In unserem Blog werden wir ab jetzt über Schicksale von Menschen im Nationalsozialismus berichten, die in Neukölln gelebt haben. Anlass dazu ist unsere Ausstellung „Ende einer Idylle? Die Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung in Britz vor und nach 1933“, die wir im Mai eröffnen werden. Ziel der Ausstellung ist die Darstellung des Alltags der Bewohner der Großsiedlung vor und nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933. Wer waren die ersten Mieter? Welche Verbindungen gab es untereinander? War die Siedlung ein Ort, wo sich besonders politisch und künstlerisch Engagierte niederließen? Wohnte hier die Avantgarde? Und schließlich, welche Auswirkungen hatten die politischen Veränderungen nach 1933 auf die Nachbarschaftsverhältnisse?

In dem Blog „50 Türen in die NS-Zeit“ werden wir wöchentlich eine Tür „öffnen“, hinter der sich ein Familienschicksal oder ein realer Lebensweg zur Zeit des Nationalsozialismus in Britz verbirgt. Bewusst greifen wir damit die Ausstellungsarchitektur auf. Auch dort werden Türen als symbolischer Zugang zu den Lebensgeschichten der Bewohner während der NS-Zeit dienen. Ob Anarchist, Sozialdemokrat oder Kommunist, das Leben in der von Bruno Taut entworfenen Hufeisensiedlung – heute eine Weltkulturerbestätte der UNESCO – war vor Beginn der „Machtergreifung“ durch die Nationalsozialisten eher vom linken, gewerkschaftlich orientierten politischen Spektrum und deren vielfältigen Beziehungen, Freundschaften und engen Nachbarschaften geprägt. Mit Verschiebung der politischen Machtverhältnisse wurden diese lebendigen Beziehungen zerstört: Viele der linksorientierten Familien mussten fluchtartig die Siedlung verlassen und zogen in andere Bezirke, andere wählten die Emigration. Die freigewordenen Wohnungen wurden schnell von Nationalsozialisten übernommen.

Unsere Ausstellung ist Teil des Themenjahres des Berliner Senats „Zerstörte Vielfalt“, das die Folgen der Machtergreifung 1933 in vielen weiteren Ausstellungen zeigt und mit Veranstaltungen thematisiert.  Das alltägliche Leben derer, die die kulturelle und politische Vielfalt Berlins ausmachten, sowie ihre Ausgrenzung bilden den Kern des Themenjahres 2013. Wir beginnen mit unserem Blog aus Anlass der 80. Wiederkehr des Tages an dem Reichspräsident Hindenburg am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte. Mit jeder neuen Tür, die wir ab jetzt wöchentlich öffnen, werden sie verfolgen können, welche Konsequenzen die Gegner der NS-Diktatur zu befürchten hatten, wer trotzdem Widerstand leistete, aber auch wer vom neuen System zu profitieren hoffte. Mit dem Blog „50 Türen in die NS-Zeit“ möchte das Museum Neukölln auf die Ausstellung neugierig machen und zugleich das Warten auf die Eröffnung am 17. Mai 2013 ein wenig verkürzen.

Kommentare

  1. Rudolf Rogler schrieb am 31. Januar 2013 um 19:05 Uhr

    Den Facetten-Neukölln verdanke ich den Hinweis auf die geplante Ausstellung!

    Als Britzer bin ich gespannt darauf, besonders auf die Ergebnisse. Schwer und umfangreich dürfte nämlich die Darstellung einiger kritischer Britzer Reformschüler und ihrer Eltern sein. Bei 50 Türen wird man sie kaum übergehen können. Ich denke an die sehr viel später zu Gegnen gewordenen Schüler von Alfred Lewinnek, die gläubigen Kommunisten Goßweiler und Ruge, die beide die Sowjetunion gewählt hatten und in der DDR erfolgreich waren – wenn auch mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Erkenntnissen.

    Besonders die vier Ruges, in deren Leben in der DDR Eugen Ruge, der Buchpreisträger 2011, kleine Einblicke verschaffte, dürften für einige frühe Emigranten stehen, als Komintern-Angestellte in Moskau und Mexiko oder als ans Reich ausgelieferter Neuköllner Studienrat oder als Gefangene im Straflager, dann auf Lebenszeit Verbannte hinter dem Ural oder als sich durchwurstelnder „Lebenskünstler“ im Sowjetstaat zwischen 1933 und 1956!

    Allen eine bereichernde Arbeit und die „richtigen“ Forschungsfragen.
    Rudolf

  2. Rudolf Rogler schrieb am 8. Februar 2013 um 18:09 Uhr

    Ich grüße und bitte um eine kleine Korrektur -auch wenn niemand den Kommentar liest: „Gegnern“ muss es heißen, es fehlt ein r.
    Danke,
    Rudolf

  3. Jennifer Rasch | Öffentlichkeitsarbeit schrieb am 22. Februar 2013 um 15:24 Uhr

    Lieber Herr Rogler,

    besten Dank für Ihren Kommentar. Ich leite Ihre Anmerkungen an das Kuratorenteam weiter und bin mir sicher, dass sie die Hinweise beherzigen.
    Beste Grüße aus dem Museum,

    Jennifer Rasch

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