Im polnischen Exil ermordet

Onkel-Bräsig 46

Ostern 1927 beziehen Stanislaw und Margarete Kubicki mit ihren beiden Kindern das Haus in der Onkel-Bräsig-Straße 46.

Die Hufeisensiedlung, ein Modellprojekt des sozialen Wohnungsbaus in der Weimarer Republik, befand sich zu der Zeit noch im Aufbau. Die Familie Kubicki ist künstlerisch wie politisch engagiert, sie sind führende Mitglieder der deutsch-polnischen Künstlergruppe BUNT („Revolte“) und bei der Gründung der Künstlergemeinschaft „Die Kommune“ beteiligt. Der Freundeskreis der Kubickis ist international vernetzt, allerdings pflegen sie auch Kontakte zu ihren neuen Nachbarn in der Hufeisensiedlung, darunter zum Maler Heinrich Vogeler und zum Dichter Erich Mühsam.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 ändert sich das Leben für viele Künstler. Der Freundeskreis der Kubickis zerbricht in Anbetracht der Verhaftungen und Fluchten ins Ausland. Ende 1934 verlässt auch Stanislaw Kubicki Deutschland und geht nach Posen (Pozna?). Hier findet er schnell Anschluss an die Kunstszene. Bereits nach wenigen Wochen ist er im Vorstand des Literatenvereins aktiv.

Margarete Kubicka, die am I. Neuköllner Lyzeum als Zeichenlehrerin und Kunsterzieherin tätig ist, wird an eine Tempelhofer Schule strafversetzt. Da Stanislaw Kubicki sich weigert, aus der Emigration nach Deutschland zurückzukehren, üben die NS-Behörden so lange Druck auf Margarete Kubicka aus, bis sie 1937 einer Scheidung von ihrem Mann zustimmt. Der schließt sich nach der Besetzung Polens durch die deutsche Wehrmacht einer nationalen Widerstandsbewegung an und wird als Nachrichten- und Geldkurier zwischen der polnischen Exilregierung in London und der Widerstandsbewegung eingesetzt. Dabei führt ihn sein Weg immer wieder auch nach Berlin, wo er während seiner Aufenthalte bei seiner Familie in Britz lebt.

Im Juni 1941 wird Stanislaw Kubicki von der Gestapo verhaftet. In Berlin kommt es zu einer Gegenüberstellung mit seiner Frau Margarete. Es ist das letzte Mal, dass die beiden sich sehen. Danach wird er zurück nach Warschau in das berüchtigte Pawiak-Gefängnis gebracht. Ein Jahr später wird Stanislaw Kubicki hier ermordet. Ein genaues Todesdatum konnte bis heute nicht ermittelt werden.

In der Portalausstellung des Deutschen Historischen Museums zum Themenjahr „Zerstörte Vielfalt“ wird ein Schachbrett von Stanislaw Kubicki ausgestellt, das er benutzte, wenn er mit seinen Künstlerfreunden Schach spielte.

Weitere Informationen über die genannten Personen stehen im Digitalen Archivsystem DAISY in der Ausstellung Das Ende der Idylle? Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung in Britz vor und nach 1933 zur Verfügung.

(Eingangstür Onkel-Bräsig-Straße 46, Foto: Barbara Hoffmann)

kubicki


Kommentare

  1. Thomas Steege schrieb am 3. Februar 2013 um 20:51 Uhr

    Ein tolles Projekt. Vielen Dank für diesen Beitrag – die nächsten werde ich ganz bestimmt auch lesen.

  2. Jennifer Rasch | Öffentlichkeitsarbeit schrieb am 22. Februar 2013 um 15:25 Uhr

    Lieber Herr Steege,

    danke für Ihren Kommentar. Auch diese Woche gibt es wieder einen spannenden Beitrag, diesmal über den jungen Sportler Rudolf Lewy, der 1936 bei der Olympiade die Fackel tragen durfte.
    Weiterhin spannende Lektüre wünscht,
    Jennifer Rasch

Kommentieren

Weitere Einträge: