Antifaschistischer Widerstand

Onkel Bräsig 111

Aus der Wohnung in der Onkel-Bräsig-Straße 111 ist das gedämpfte Geklapper einer Schreibmaschine zu hören. In der Wohnung von Hans-Georg Vötter entsteht die antifaschistische Schrift „An die deutsche Ärzteschaft“. Es wird der letzte Beitrag seiner Widerstandsgruppe gegen die nationalsozialistische Diktatur sein, denn schon bald gehen Vötter und seine Genossen zur Tat über und der Gestapo ins Netz.

Der Schriftsetzer Hans-Georg Vötter wird schon kurz nach der Machtergreifung 1933 von den Nationalsozialisten verfolgt. Er ist Mitglied der KPD und führend in der Internationalen Arbeiterhilfe (IAH), einer Hilfsorganisation für politisch Verfolgte, aktiv. Bereits 1935 wird er verhaftet und wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Im Juli 1940 kehrt er zu seiner Frau Charlotte und seiner Tochter Gisela in die Hufeisensiedlung zurück. Da er in den nächsten Monaten noch unter Polizeiaufsicht steht, entwickelt sich die illegale politische Arbeit erst allmählich. Jeden Donnerstag trifft sich in Vötters Haus ein Kreis Gleichgesinnter zu Schulungsabenden, politischen Diskussionen oder zum Anhören der „Feindsender“ BCC oder Radio Moskau. Doch das reicht dem Kreis bald nicht mehr aus und sie entscheiden sich, aktiv Widerstand zu leisten. Sie schreiben und verbreiten periodische Kampfschriften mit Titeln wie „Der Ausweg“ oder „Der Weg zum Sieg“ und das Flugblatt „An die deutsche Ärzteschaft“. Am 18. Mai 1942 wird ein Brandanschlag auf die nationalsozialistische Propagandaausstellung „Das Sowjetparadies“ im Lustgarten verübt. Daran beteiligt sind auch Mitglieder der Widerstandsgruppe um Hans-Georg Vötter sowie der jüdischen Gruppe Baum. Innerhalb weniger Tage werden die Mitglieder beider Gruppen verhaftet. In der Gerichtsverhandlung am 5. Februar 1943 spricht der Volksgerichtshof das Urteil über das Ehepaar Vötter. Charlotte Vötter wird wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu sieben Jahren Zuchthaus, Hans-Georg wegen „Wehrkraftzersetzung“ mit dem Tod bestraft. Gnadengesuche seiner Schwester Marianne, seiner Tochter Gisela und von Charlotte werden vom Gericht abgelehnt. Am 11. Mai 1943 wird Hans-Georg Vötter in Plötzensee hingerichtet.

Weitere Informationen über die genannten Personen stehen im Digitalen Archivsystem DAISY in der Ausstellung Das Ende der Idylle? Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung in Britz vor und nach 1933 zur Verfügung.

(Eingangstür Onkel-Bräsig-Straße 111, Foto: Barbara Hoffmann)

Vötter_Gnadengesuch
Vötter-1_be

Kommentieren

Weitere Einträge: