Der Sheriff von Britz

Lowise Reuter 19

Erich Grasshoff ist durch seine Stellung als Hausverwalter der Hufeisensiedlung ein bekannter Mann. Die Bewohner gaben ihm den Spitznamen „der Sheriff von Britz“. 1927 wird der gelernte Bankkaufmann von der Einfa (Berliner Gesellschaft zur Förderung des Einfamilienhauses) als Verwalter angestellt und zieht mit seiner Frau Frieda in die Fritz-Reuter-Allee 22. Ein Jahr später wird ihr Sohn Eberhard geboren. Den Verwalter Grashoff kennen alle Bewohner der Siedlung, und wenn er mit seinem kleinen Sohn an der Hand durch die Straßen geht, wird er immer wieder angesprochen und in ein Gespräch verwickelt. Das Gemeinschaftsleben in der Hufeisensiedlung ist ihm sehr wichtig. Durch Wettbewerbe für den schönsten Balkon oder Garten bringt er die Nachbarn miteinander ins Gespräch und unterstützt tatkräftig die großen Feste, die in seiner Siedlung organisiert werden.

Erich Grasshoff war zudem ein überzeugter Sozialdemokrat. Aus diesem Grund findet nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten Anfang Februar 1933 in seiner Wohnung eine Hausdurchsuchung durch die Gestapo statt. Er wird verhaftet und in ein Gestapo-Gefängnis gebracht. Während seiner Haftzeit verbarrikadiert Frieda Grashoff mit Hilfe ihres Schwiegervaters Gustav nun jeden Abend die Wohnungstür mit schweren Möbeln aus Angst vor Überfällen durch die SA. Nach seiner Entlassung aus der Haft ist er arbeitslos – die GEHAG hat seine Stellung als Hausverwalter gekündigt. Die Grashoffs müssen daher eine preiswertere Zwei-Zimmer-Wohnung in der Fritz-Reuter-Allee 64 beziehen. Frieda Grashoff, ehemals Chefsekretärin bei Wertheim, fertigt auf ihrer Nähmaschine Mäntel und ihr Mann Erich schlägt sich zunächst als Kohlenhändler durch, bis er bei einer Bank eine Stellung bekommt.

Nach Kriegsende beginnt Erich Grashoff sofort mit dem Wiederaufbau der GEHAG-Verwaltung und wird in seiner alten Funktion tätig. 1965 stirbt er im Alter von nur 63 Jahren.

In der Sendereihe „Wegmarken – Berlin im Nationalsozialismus“ des Inforadios vom 04.02.2013 schildert der Sohn Eberhard Grashoff seine Erinnerungen und Erfahrungen in der Hufeisensiedlung zur Zeit der NS-Herrschaft.

Weitere Informationen über die genannten Personen stehen im Digitalen Archivsystem DAISY in der Ausstellung Das Ende der Idylle? Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung in Britz vor und nach 1933 zur Verfügung.

(Eingangstür Fritz-Reuter-Allee 64, Foto: Barbara Hoffmann)

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Kommentare

  1. Bernd Ryglewski schrieb am 13. März 2013 um 18:02 Uhr

    Warum ist die Gedenktafel an Erich Grasshoff, die sich neben der Eingangstür zur ehemaligen Seniorenfreizeitstätte Bruno-Taut
    an der Treppe zum Hufeisen befand, entfernt worden!!!!

  2. Jennifer Rasch | Öffentlichkeitsarbeit schrieb am 15. März 2013 um 20:20 Uhr

    Als unsere Kollegin davon erfuhr, hat sie sich gleich danach erkundigt. Es hieß, die Tafel sei wegen Umbaumaßnahmen entfernt worden. Nach Fertigstellung soll sie wieder aufgestellt werden. Wir behalten das im Auge!

  3. Erich Grashoff war ein ehrlicher und aufrechter Demokrat . In seiner Haltung und Lebensweise .

    Außerdem ein beliebter , hilfsbereiter und kompetenter Verwalter der “ GEHAG “ -Hufeisensiedlung
    bis 1933 und ‚ Gott sei Dank ‚ wieder ab 1945 ( nach der Hitler – Diktatur ) ! Wir danken ihm in
    lieber Erinnerung .
    Günter Hanisch , Jahrgang 1930 und langjähriger Bewohner im Hufeisen – Nr. 19 in Berlin – Britz .

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