Olympisches Feuer

Rudower 56; 239Das Ereignis, von dem Rudolf Lewy Jahrzehnte später seinen Enkelkindern erzählen wird, beginnt sehr früh am Morgen des 1. August 1936. Rudolf bricht von der Wohnung seiner Eltern in der Rudower Allee 56 auf, um sich mit seinen Sportkameraden zu treffen. Gemeinsam werden sie zum Übergabeort für die Olympische Flamme im Süden Berlins gefahren. Der siebzehnjährige Schüler darf an diesem Tag die Fackel der Olympischen Spiele von Berlin einige Meter weit tragen.

Doch bereits 1936 sind die Diskriminierungen der jüdischen Bevölkerung allgegenwärtig und Rudolf gibt sich keinen Illusionen hin. „Im Olympiajahr dachte ich, dieses Jahr wirst du keine Schwierigkeiten haben. Wir wussten, dass es nach der Olympiade schwieriger für uns werden würde“, erzählt er später. Tatsächlich muss die Familie Lewy noch im selben Jahr die Siedlung nach Aufforderung der inzwischen gleichgeschalteten Wohnungsbaugenossenschaft DeGeWo verlassen. Rudolf kündigt seine Mitgliedschaft bei den Neuköllner Sportfreunden – viele seiner Sportkameraden sind inzwischen in der Hitlerjugend.

1938 spitzt sich die Situation der Familie zu. Der erste, der Deutschland verlässt, ist Rudolfs Vater Immanuel Lewy. Er emigriert nach London. Ein knappes Jahr später folgt ihm dessen Frau Helene, Rudolfs kleiner Bruder gelangt mit einem Kindertransport nach England. Kurze Zeit später emigriert der 20-Jährige Rudolf Lewy nach New York, wohin ihm seine Eltern mit dem Bruder 1945 folgen können.

Weitere Informationen über die genannten Personen stehen im Digitalen Archivsystem DAISY in der Ausstellung Das Ende der Idylle? Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung in Britz vor und nach 1933 zur Verfügung.


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