Aktiver Antisemitismus

Onkel Bräsig 721933 zieht das Ehepaar Siegele aus dem badischen Pforzheim in die Onkel-Bräsig-Straße 72. Beide sind ab 1931 Mitglieder der NSDAP und bekleiden hohe Posten in nationalsozialistischen Organisationen. Wilhelm Siegele gehört zur Adjutantur der Obersten SA-Führung im Rang eines Brigadefühers und ist dort in der Verwaltung tätig. Johanna Siegele wird Frauenschaftsamtsleiterin und führt die Britzer Abteilung der NS-Frauenschaft. In ihrem Haus verfasst sie im August 1935 ein Rundschreiben an alle Frauenschaftsmitglieder. Darin heißt es: „Nicht nur das Kaufen beim Juden ist strengstens untersagt, sondern auch jeder private Verkehr.“ Gleichzeitig ruft sie dazu auf, ihr zu melden, wer mit einem Juden verwandt ist, um diese aus der Frauenschaft auszuschließen. Damit vertritt sie die antisemitische Ideologie noch vor den Nürnberger Rassegesetzen, die im September 1935 in Kraft treten. Zu diesem Zeitpunkt lebten nach unseren Recherchen noch etwa 50 jüdische Familien in der Großsiedlung Britz.

Weitere Informationen über die genannten Personen stehen im Digitalen Archivsystem DAISY in der Ausstellung Das Ende der Idylle? Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung in Britz vor und nach 1933 zur Verfügung.

(Eingangstür Onkel-Bräsig-Straße 72, Foto: Barbara Hoffmann)

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