Von der Gefahr, seine Meinung zu äußern

Parchimer 24

Der gelernte Schriftsetzer und Korrektor Friedrich Nolte aus der Parchimer Allee 24 ist es gewohnt, seine Meinung frei zu äußern. Dass ihm diese Selbstverständlichkeit zum Verhängnis wird, ahnt er zu Beginn des Jahres 1933 noch nicht.

Dank eines geregelten Einkommens bei der Druckerei Otto Elsner KG können Friedrich Nolte und seine Frau die Wohnung in der Großsiedlung Britz beziehen. Von hier bricht er des Öfteren zu Versammlungen und Demonstrationen der SPD auf, deren Mitglied er schon ab 1909 ist.

Mit dem politischen Machtwechsel 1933 erkennt Nolte die drohende Gefahr. Er ist jedoch davon überzeugt, dass die neuen Verhältnisse nicht von Dauer sein können. Aus seiner Meinung über die Nationalsozialisten macht er deshalb keinen Hehl. Als sein Arbeitgeber vermehrt Aufträge von der NSDAP, der SS und während des Krieges auch von der Wehrmacht erhält, ergeben sich durch die tägliche Beschäftigung mit diesem Material Gespräche zwischen den Kollegen. Hierbei fallen auch durchaus kritische Äußerungen über führende Vertreter des NS-Regimes. Dies wird im Sommer 1944 von einem Kollegen zur Anzeige gebracht.

Am 25. August 1944 fährt die Gestapo in der Parchimer Allee 44 vor und verhaftet Friedrich Nolte. Mit seinem Kollegen Karl Wiese, der NSDAP-Mitglied ist, wird am 18. Januar 1945 vom Volksgerichtshof in Potsdam das Urteil gefällt: Wegen Wehrkraftzersetzung wird Friedrich Nolte zu vier Jahren Zuchthaus, Karl Wiese zum Tode verurteilt.

Am 8. April 1945 wird Friedrich Nolte von der Roten Armee aus dem Zuchthaus Brandenburg-Görden befreit.

Weitere Informationen über die genannten Personen stehen im Digitalen Archivsystem DAISY in der Ausstellung Das Ende der Idylle? Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung in Britz vor und nach 1933 zur Verfügung.

(Eingangstür Parchimer Allee 24, Foto: Barbara Hoffmann)

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