Lang gesuchter Widerstandskämpfer

Lining 501928 zieht Conrad Blenkle mit seiner Frau Käte und Tochter Klara in die Liningstraße 50. Zu diesem Zeitpunkt ist er der jüngste Abgeordnete, mit Sitz für die KPD im Reichstag. Seine Stellung nimmt er sehr ernst und bereitet sich akribisch auf seine Reichstagsrede am 11. April 1930 vor. Er wird gegen die von Reichskanzler Brüning vorgeschlagene Einführung des Mineralwassersteuergesetzes sprechen. Ferner appelliert Blenkle in Artikeln seines kommunistischen Jugendorgans „Die Junge Garde“ gegen die Militärpolitik der Regierung. Die Staatsanwaltschaft ist wegen seiner politischen Aktivitäten bereits auf ihn aufmerksam geworden. Seine politische Immunität droht aufgehoben zu werden, ein Steckbrief gegen ihn ist bereits ausgestellt.

Darauf hin taucht er in Köpenick unter, wird aber im März 1931 verhaftet. Seine Strafe, 18 Monate Festungshaft, verbüßt er im schlesischen Groß-Strelitz. Bereits kurz nach seiner Entlassung – die Nationalsozialisten kommen einige Tage zuvor an die Macht – sieht sich Blenkle erneut gezwungen, unterzutauchen und schließt sich dem kommunistischen Widerstand an. Während seiner Zeit im Untergrund hält er sich in verschiednen Orten des Deutschen Reiches sowie im Ausland auf, bis er schließlich in Kopenhagen landet. Hier wird er 1940, Dänemark steht unter deutscher Besatzung, von der Polizei festgenommen und an die Gestapo ausgeliefert. Über den mit am längsten gesuchten Widerstandskämpfer wird die Todesstrafe verhängt. Conrad Blenkle wird am 20. Januar 1943 in Plötzensee hingerichtet.

Weitere Informationen über die genannten Personen stehen im Digitalen Archivsystem DAISY in der Ausstellung Das Ende der Idylle? Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung in Britz vor und nach 1933 zur Verfügung.

(Fotos: Eingangstür Liningstraße 50, Foto: Barbara Hoffmann; Conrad Blenkle, o. J.; Foto: Bundesarchiv / SAPMO)

Blenkle

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