Die Spannung steigt – Nur noch drei Tage bis zur Eröffnung.

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Interview mit Dr. Udo Gößwald, Leiter des Museum Neukölln

In drei Tagen wird die neue Sonderausstellung des Museums eröffnet. Läuft alles nach Plan?

Ja, im Prinzip schon, aber bis zur letzten Minute kann noch was schief gehen. Auch nach so vielen Jahren in dem Job bleibt eine gewisse Anspannung. Das muss wohl so sein.

Woran wird momentan noch gearbeitet?

Das Digitale Informatiossystem DAISY, das wir extra für diese Ausstellung mit der Firma eckedesign und scripted media erarbeitet haben, wird gerade noch konfiguriert. Der Katalog ist beim Buchbinder. Mit der Montage der 50 Türen, die in der Ausstellung eine zentrale Vermittlungsebene darstellen, gibt es noch technische Probleme, die wir hoffentlich auch noch lösen werden.

Wie viele Mitarbeiter waren an der Realisierung des Ausstellungsprojekts beteiligt?

Insgesamt zwölf Personen direkt für das Museum: an erster Stelle eine leitende Kuratorin sowie ein wissenschaftlicher Mitarbeiter, zwei Museologinnen als Assistentinnen im Bereich Datenbank und natürlich Sie für die Öffentlichkeitsarbeit. Dazu kommen noch die Autorinnen und Autoren, die für den Katalog recherchiert und geschrieben haben, insgesamt sieben und natürlich unser Sekretär. Wie viele für das Gestaltungsbüro und die Produktionsfirmen gearbeitet haben, weiß ich gar nicht genau.

Wie sah die Ausgangssituation aus? War das Thema bereits gut erforscht?

Ganz und gar nicht. Es gab einen Forschungsstand zur Hufeisensiedlung von 1980. Es war uns wichtig, bei diesem Projekt einen Schwerpunkt auf die historische Forschung zu legen. Deshalb hat das Museum für seine Verhältnisse viele Mittel in die wissenschaftliche Arbeit gesteckt.

Unterstützt wurden wir dabei vom Hauptstadtkulturfonds im Rahmen des Themenjahres „Zerstörte Vielfalt“ sowie zusätzlich vom Förderverein der Stiftung Schloss Britz und der DeGeWo.

Welche Erkenntnisse können Sie aus der Aufarbeitung ziehen? Gab es Überraschungen? Welche Parallelen lassen sich von Vergangenheit und Gegenwart feststellen?

BewohnerseiteDas Bemerkenswerte an diesem Projekt ist, dass wir nicht nur viele neue Informationen über die Verfolgten der Nationalsozialisten erhalten haben, sondern dass wir nachweisen können, in welch erschreckendem Ausmaß die Zahl der NSDAP-Mitglieder zwischen 1928 und 1940 auch in der „linken“ Hufeisensiedlung gestiegen ist. Aus den Akten haben wir erfahren, mit welcher Begeisterung viele dem NS-Staat huldigten. Insofern bekommt zum ersten Mal der „Nazi von nebenan“ ein Gesicht und man erhält einen Begriff davon, welche Akzeptanz das System hatte. Umso höher ist der Widerstand zu bewerten, der von Sozialdemokraten, Kommunisten und Christen unter Lebensgefahr geleistet wurde.

Gibt es eine Geschichte eines Bewohners, die im Rahmen der Recherche ermittelt wurde, die Sie besonders bewegt hat?

Mich bewegt, dass zwei beste Freundinnen aus jüdischen Familien, die damals mit ihren Eltern emigrieren mussten, durch unsere Recherche wieder in Kontakt gekommen sind und sich am Freitag bei der Ausstellungseröffnung erstmals nach etwa 75 Jahren wiedersehen werden. (Siehe dazu auch den Artikel von Karolin Steinke im Tagesspiegel).

Wie waren Ihre Erfahrungen mit den heutigen Bewohnern der Hufeisensiedlung? Konnten Sie einige für eine Beteiligung am Projekt gewinnen?

Das Interesse der Bewohner der Großsiedlung Britz war und ist sehr groß. Allerdings leben nur noch wenige Menschen, die in den späten zwanziger Jahren in die Siedlung gezogen sind. Einige standen uns dankenswerter Weise noch als Gesprächspartner zur Verfügung.

(Abbildungen: Ausstellungsaufbau im Museum Neukölln, Foto: Barbara Hoffmann; Screenshot des Digitalen Archivsystems DAISY (eckedesign und scripted media) © Museum Neukölln)

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