Bei den Treffen der Liederfreunde

Fritz-Reuter 83Dora und Bruno Lösche ziehen 1935 aus dem Wedding in die Fritz-Reuter-Allee 83. Ein Freund hat ihnen die kostengünstige Wohnung vermittelt. Beide engagieren sich seit ihrer Jugend für die SPD. Dora arbeitete als Sekretärin für die Landtagsfraktion der SPD und war Frauenleiterin im Wedding, Bruno Betriebssekretär und Herausgeber der Zeitschrift „Die Rote Ebert-Siedlung“ . Mit dem SPD-Verbot und der Abschaffung der freien Presse brechen schwierige Zeiten an. In der Hufeisensiedlung finden die beiden Rückhalt im Kreise anderer Sozialdemokraten. Trotzdem stellen lange Phasen von Arbeitslosigkeit und die Verhaftung von Bruno Lösche das Ehepaar auf eine harte Probe. Obwohl sämtliche Vereine und Organisationen „gleichgeschaltet“ sind, gelingt es den Sozialdemokraten sich heimlich zusammenzufinden. Die Treffen werden getarnt, zumeist als Konzerte der Berliner Liederfreunde in der „Neuen Welt“ in der Hasenheide. Mit Beginn des Krieges und dem Einzug der Männer zur Wehrmacht werden die Treffen seltener. Es kommt oft vor, dass Trauerfeiern von Genossen zum Anlass genommen werden, sich öffentlich zu versammeln.

Unmittelbar nach der Kapitulation, im Mai 1945, finden sich einige der sozialdemokratischen Mitglieder in Britz zusammen und beschließen gemeinsam den Aufbau mit Trümmerbeseitigung, Ortsverwaltung und Lebensmittelversorgung. Die Lösches sind bis in die 1960er-Jahre für die SPD tätig. Dora Lösche wird Mitglied des Bezirksvorstandes der Neuköllner SPD, gehört von 1958 bis 1963 dem Berliner Abgeordnetenhaus und von 1963 bis 1969 dem Deutschen Bundestag an. Bruno Lösche ist von 1948 bis 1951 Stadtverordneter und von 1946 bis zu seinem Tod im Jahr 1963 Stadtrat für Volksbildung in Berlin-Tiergarten.

Ihr gemeinsamer Sohn, Peter Lösche, ist ein bundesweit bekannter Professor der Politikwissenschaften und wird heute zur Eröffnung der Ausstellung am 17. Mai 2013 im Museum Neukölln sprechen.

Die älteste Partei Deutschlands, die SPD, feiert in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen. Das Mobile Museum Neukölln widmet sich in einer neuen Ausstellung der abwechslungsreichen Geschichte der Sozialdemokratie in Neukölln. Zu sehen vom 9. Juni bis 7. Juli im Foyer des Kulturstalls auf dem Gutshof Britz.

Weitere Informationen über die genannten Personen stehen im Digitalen Archivsystem DAISY in der Ausstellung Das Ende der Idylle? Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung in Britz vor und nach 1933 zur Verfügung.

(Fotos: Eingangstür Fritz-Reuter-Allee 83, Foto: Barbara Hoffmann; Dora und Bruno Lösche mit Mitgliedern der Berliner Singe-Gemeinschaft, Wolziger See, 29. August 1937; Foto: Sandvoß / Richter)

Lösche

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