Parteimitglied, und trotzdem …

Stavenhagener 22Alwin Jabs ist sich mit seiner Frau Elsa einig: Sie werden die als Jüdin verfolgte Lotte Bing bei sich im Haus der Stavenhagener Straße 22 aufnehmen. An drei Tagen und Nächten in der Woche soll sie bei ihnen bleiben, die restlichen Tage bei Nachbarn unterkommen. Auch dem Kommunisten Friedrich Grünberg hat Alwin Jabs geholfen, als der 1939 aus dem Gefängnis kommt, indem er ihm eine Wohnung und Arbeit besorgt.

Der Fürsorger Alwin Jabs ist Mitglied der SPD gewesen. Mit Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 verliert er seine Arbeit. 1935 tritt er der NS-Volkswohlfahrt bei, 1939 auch der NSDAP. Damit ist er nicht der einzige Angehörige der beiden Arbeiterparteien SPD und KPD, die nach 1933 in NS-Organisationen eintreten. Vor allem Beschäftigte im öffentlichen Dienst versuchen so, ihren Arbeitsplatz zu erhalten oder nach der Entlassung wieder Arbeit zu bekommen. Alwin Jabs ist einer von 39 Bewohnern der Großsiedlung Britz, die nach dem politischen Machtwechsel auch ihr Parteibuch wechseln.

Lotte Bing und Friedrich Grünberg treten 1945 für Alwin Jabs als Entlastungszeugen in seinem Entnazifizierungsverfahren auf.

Weitere Informationen über die genannten Personen stehen im Digitalen Archivsystem DAISY in der Ausstellung Das Ende der Idylle? Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung in Britz vor und nach 1933 zur Verfügung.

(Abbildung: Eingangstür Stavenhagener Straße 22, Foto: Barbara Hoffmann)

Kommentare

  1. Konnie schrieb am 1. Juni 2013 um 13:25 Uhr

    Endlich wird einmal sachlich darüber informiert, warum Menschen im Dritten Reich in die NSDAP eingetreten sind. Vielen drohte der Verlust des Arbeitsplatzes, da haben sie diese Konsequenz gezogen (wenn nicht ziehen müssen). Das heißt noch lange nicht, dass sie hinter den Zielen der NSDAP standen.

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