Heimliche Treffen der Sozialdemokraten

Fritz-Reuter 95Wenn Fritz Ohlig das Haus von Hertha Spann in der Fritz-Reuter-Allee 95 betritt, geht er ein großes Risiko ein. In ihrer Wohnung finden heimliche Treffen von SPD-Mitgliedern statt. Nach dem Verbot der SPD ist der Steinmetz Ohlig am 26. Juni 1933 verhaftet und in den KZs Brandenburg und Oranienburg interniert worden. Nach seiner Entlassung zieht er in die Fritz-Reuter-Allee 87, nur wenige Häuser von Hertha Spann entfernt. Trotz mehrerer Monate „Schutzhaft“ nimmt Ohlig sofort Kontakt zu ihr und seinen anderen Genossen auf.

Fritz Ohlig diskutiert wie viele Sozialdemokraten auf illegalen Treffen die Situation unter der NS-Diktatur und verfolgt die Stimmung in der Bevölkerung. Ein Beobachternetz liefert ihnen hierfür aus allen gesellschaftlichen Bereichen Informationen, die nicht durch die NS-Propaganda gefärbt sind. Die Berichte werden durch Kuriere zum SPD-Parteivorstand nach Prag geschmuggelt. Dort erscheinen sie von 1934 bis 1940 monatlich als „Deutschland-Berichte“ in einer Auflage von 500 Exemplaren mit einem Umfang von 70 bis 100 Seiten. Sie sind eine wichtige politische Informationsquelle.

Im April 1941 wird Fritz Ohlig zur Wehrmacht eingezogen. Nach dem Krieg kehrt er in die Hufeisensiedlung zurück und zieht für die SPD in den Deutschen Bundestag ein. Hertha Spann und ihre subversive politische Arbeit bleibt während der gesamten NS-Zeit unentdeckt.

Anlässlich des 150. Jahrestages der SPD eröffnet das Mobile Museum die Ausstellung Der Kampf um Einheit und Freiheit im Kulturstall auf dem Gutshof Britz. Die Vernissage ist am 8. Juni, ab 19 Uhr.

Weitere Informationen über die genannten Personen stehen im Digitalen Archivsystem DAISY in der Ausstellung Das Ende der Idylle? Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung in Britz vor und nach 1933 zur Verfügung.

(Abbildungen: Eingangstür der Fritz-Reuter-Allee 95, Foto: Barbara Hoffmann; Fritz Ohlig, o. O., o. J.; Foto: AdsD / Friedrich-Ebert-Stiftung)

Kommentieren

Weitere Einträge: