Im Dienste der Gesundheit

Fritz-Reuter 50Die Praxis von Dr. Alfred Lange in der Fritz-Reuter-Allee 50 entwickelt sich prächtig. Er steht im Ruf, ein guter Arzt zu sein. Lange ist seit 1931 Mitglied der NSDAP und SA und profitiert von der politischen Wende 1933. Er wird Sturmbannarzt des SS-Sturmbanns II / 25. Ab 1934 bekleidet er das Amt des NSDAP-Gesundheitswalters. 1938 wird er Standartenarzt des SA-Sturmbanns III / 3.

Als Mitglied des „Nationalsozialistischen Deutschen Ärztebundes“ (NSDÄB) unterstützt er die Vertreibung der 8 000 im Deutschen Reich verbliebenen jüdischen Ärzte aus dem Medizinbetrieb. Ab April 1933 dürfen diese keine Privatpatienten, ab 1938 auch keine gesetzlich Versicherten mehr behandeln.

Am 30. Juni 1933 holt Dr. Lange mit einem zweiten SA-Mann seinen Kollegen, den jüdischen Arzt Dr. Arnold Levy in dessen Wohnung ab und liefert ihn im Sturmlokal seines Sturmbanns in der Rudower Straße ab. Im SA-Gefängnis wird Dr. Levy schwer misshandelt. Dennoch gelingt ihm 1933 die Flucht in die USA.

Im Mai 1945 muss sich Dr. Lange vor dem Gericht verantworten. 1948 wird er wegen Vergehens gegen die Menschlichkeit zu sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Gegen das Urteil legt Dr. Lange Revision ein mit der Begründung, ihm wäre es lediglich um die Aufklärung der gegen Levy erhobenen Vorwürfe gegangen. Die Revision wird vom Gericht zurückgewiesen:

„Als Akademiker, als Mitglied der NSDAP seit Juli 1931, als Angehöriger der SA im Range eines Sturmbannführers wußte der Angeklagte genau, was damals […] einem jüdischen Arzt bevorstand, der der SA ausgeliefert wurde. […] Der Angeklagte trägt auf alle Fälle die Folgen seiner Handlungsweise im vollen Umfange.“

Weitere Informationen über die genannten Personen stehen im Digitalen Archivsystem DAISY in der Ausstellung Das Ende der Idylle? Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung in Britz vor und nach 1933 zur Verfügung.

(Abbildung: Eingangstür Fritz-Reuter-Allee 50, Foto: Barbara Hoffmann)

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