Fanatischer Antisemit

Fritz-Reuter 98Am 3. August 1934, einen Tag nach dem Tod von Reichspräsident Paul von Hindenburg, hängt Alf Krüger, Aufsichtsratsvorsitzender der Wohnungsgesellschaft Einfa, eine Hakenkreuzfahne aus dem Fenster seines Hauses in der Fritz-Reuter-Allee 98. An Tagen nationaler Bedeutung gilt das Hissen der Fahne als Zeichen politischer Zustimmung. Dem Einfa-Geschäftsführer Schachtmeyer schreibt er: „Ich bin im Besitz der genauen Aufstellung derjenigen Mieter, die anlässlich des Ablebens des Reichspräsidenten von Hindenburg nicht geflaggt haben.“

Das Hissen der Hakenkreuzfahne ist zwar auch nach der Verabschiedung des Reichsflaggengesetzes von 1935 keine Pflicht. Eine nicht gehisste Fahne an nationalen Feiertagen bedeutet jedoch Verweigerung und kann angezeigt werden. Da die Beflaggung einfach zu überprüfen ist, stellt sie ein wirksames Mittel der Kontrolle durch die Nationalsozialisten dar.

NSDAP-Mitglied Alf Krüger gibt in seinem Brief auch gleich Anweisungen, wie mit den „Staatsfeinden“ in der Hufeisensiedlung zu verfahren sei: jüdischen Bewohnern und politischen Gegnern, die nicht geflaggt haben, seien die Wohnungen sofort zu kündigen, Arbeitslose zu ermahnen. Ab 1937 ist Krüger mit der „Arisierung“ jüdischer Krüger_01Unternehmen betraut.

(Abbildungen: Eingangstür Fritz-Reuter-Allee 98, Foto: Barbara Hoffmann; Alf Krüger spricht am Volksgemeinschaftstag in Britz von der Terrasse des Hufeisens, 3. Juni 1934. In: Groß-Siedlung, Juni 1934. Quelle: GEHAG-Archiv / Deutsche Wohnen AG)

Weitere biografische Materialien finden Sie im Digitalen Archiv-Informationssystem DAISY in unserer Ausstellung Das Ende der Idylle? Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung vor und nach 1933.

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