Neue Spende: Kunst aus der Hufeisensiedlung

1_1Vor vier Wochen wurde uns eine ganz besondere Spende übergeben. Herr Kubicki aus der Britzer Hufeisensiedlung überreichte uns sechs Linolschnitte sowie 19 Bleistiftskizzen seiner Mutter, der Künstlerin und Lehrerin Margarete Kubicka.

Fast alle der erhaltenen Skizzen zeigen Szenen von Arbeiten beim Bau der S-Bahnüberführung über die damalige Bergstraße (heute Karl-Marx-Straße). Margarete Kubicka hielt die hart arbeitenden Männer mit Bleistift fest. Ein Blatt zeigt außerdem zwei Frauen, die bei der Arbeit zusehen. Aus den Skizzen entwickelte die Künstlerin dann eine Serie von sechs Linolschnitten, die den Titel „Bau der S-Bahn-Überführung in Neukölln“ trägt. Alle Werke sind auf 1928 datiert.

Der Sohn und Spender Herr Kubicki erinnert sich, wie seine Mutter mit ihren Kunstschülerinnen häufig in der Stadt und der Natur unterwegs war, um vor Ort zu zeichnen. Bei diesen Touren durften die Kinder ihre Motive selbst auswählen.

Margarete Kubicka, geb. Schuster, wurde 1891 in Berlin geboren. Nach ihrer Ausbildung zur Turn- und Zeichenlehrerin war sie seit 1924 in der Neuköllner Käthe-Kollwitz-Schule tätig. Zusammen mit ihrem Ehemann, dem expressionistischen Maler Stanislaw Kubicki, und ihren zwei Kindern, zog sie 1927 in die Hufeisensiedlung. Hier pflegte sie einen regen Austausch mit anderen Künstlern. Während des „Dritten Reiches“ wurde die Familie von Nazis drangsaliert. Es fanden Hausdurchsuchungen statt, Margarete Kubicka musste sich Verhören durch die Gestapo unterziehen. Ihr Mann emigrierte 1934 nach Polen. 1942 wurde er als Widerstandskämpfer verhaftet und im Warschauer Pawiak-Gefängnis ermordet.

Diese tragische Geschichte des Künstlerpaares wird auch in unserer aktuellen Ausstellung Das Ende der Idylle? Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung in Britz vor und nach 1933 sowie in unserer Reihe 50 Türen in die NS-Zeit portraitiert. Zu ihrem Sohn Stanislaw Karol Kubicki besteht seit den Vorbereitungen zur Ausstellung ein reger Kontakt. Wir freuen uns sehr über seine Spende für unsere Sammlung!

Die gespendeten Bilder und Zeichnungen werden nun in einem Eingangsprotokoll erfasst und bekommen eine feste Objektnummer zugeordnet. Nach der Aufnahme in unsere Datenbank werden die Linolschnitte im Geschichtsspeicher an der Bilderwand aufgehängt. Damit stehen sie der Öffentlichkeit zwar noch nicht wie im Ausstellungsraum zur Verfügung, können aber bei Führungen sowie bei Archivbesuchen betrachtet werden. Und vielleicht entdecken Sie die Bilder auch einmal in einer der kommenden Ausstellungen im Museum!

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(Abbildungen: Linolschnitt von Margarete Kubicka, 1928; Zeitgenössisches Foto aus dem Archiv des Museums, das den Brückenumbau über die Bergstraße zeigt, 1930; Margarete Kubicka und ihr Sohn Stanislaw Karol auf den Stufen ihres Hauses in der Onkel-Bräsig-Straße, 1928, Privatbesitz)

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