Gegenseitige Hilfe und die Not der Kriegsjahre

Nach Absitzen einer fünfjährigen Zuchthausstrafe aufgrund seiner KPD-Mitgliedschaft und aktiven Mitarbeit bei der illegalen Roten Hilfe ist es zunächst schwer für Friedrich Grünberg, eine Anstellung zu finden. Schließlich kommt er bei der Berliner Stadtmission unter, bis ihm vom Zeitschriftenverlag Dr. Hilland eine Anstellung angeboten wird. Ab März 1941 arbeitet er als Kassenbuchhalter im nationalsozialistischen Reichsinnungsverband des Bürsten- und Pinselmacherhandwerks. Im Juli 1942 wird er sogar kommissarischer Geschäftsführer des Verbandes. Mit dieser Arbeit kann er seine Frau und seine beiden Kinder mit denen er in der Fritz-Reuter-Allee 54 wohnt durch die schwierigen Kriegsjahre bringen.

Während der NS-Herrschaft helfen die Grünbergs der Jüdin Anna Drach. Als der Krankenschwester 1943 die Deportation droht, wird sie von Grünbergs aufgenommen „Sie [Anna Drach] hat während meiner Haft nach ihren Kräften für meine Familie gesorgt, sodass es auch für uns eine Selbstverständlichkeit war, sie während der Kriegszeit und der Verfolgung durch die Nazis zu unterstützen“, schreibt Friedrich Grünberg im September 1945.

Nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes 1945 übernimmt Friedrich Grünberg die Stellung des Personalreferenten im Bezirksamt Neukölln, wird jedoch nach einigen Monaten wieder entlassen. Seine Anstellung im nationalsozialistischen Reichinnungsverband des Bürsten- und Pinselmacherhandwerks wird ihm zum Verhängnis.

(Abbildung: Eingangstür Fritz-Reuter-Allee 54, Foto: Barbara Hoffmann)

Weitere Informationen über die genannten Personen stehen im Digitalen Archivsystem DAISY in der Ausstellung Das Ende der Idylle? Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung in Britz vor und nach 1933 zur Verfügung.

 

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