„Mein sehnlichster Wunsch“

Paster-Behrens 75Curt Bahr befindet sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Vom 1. April bis 1. Juli 1933 befehligt er als Kommandeur die berüchtigten Berliner SA-Stürme „Horst Wessel“ und „Mordsturm Maikowski“ im Konzentrationslager Sonnenburg. Den Einheiten obliegt die Bewachung der Inhaftierten, von denen die ersten 200 im April 1933 interniert werden. Unter den Häftlingen befindet sich zu dieser Zeit auch Erich Mühsam.

Doch der berufliche Erfolg von Curt Bahr ist nicht von langer Dauer, bereits kurze Zeit später werden die SA-Männer aus Berlin von der SA aus Frankfurt / Oder ersetzt.

Wieder in Berlin zieht er mit seiner Familie in die Paster-Behrens-Straße 75 und arbeitet als Lohnbuchhalter im Deutschen Nachrichtenbüro. Die Arbeit scheint ihn nicht zu befriedigen. Am 28. Januar 1938 setzt er ein Schreiben an die SA-Standarte 3, Gruppe Berlin-Brandenburg, auf und empfiehlt sich als alter Kämpfer der NS-Bewegung. Bahr möchte seine ganze Kraft für das „Dritte Reich“ einsetzen: „Mein sehnlichster Wunsch wäre, wenn ich ein anderes Arbeitsgebiet bekleiden könnte als ewiger Lohnbuchhalter zu bleiben.“ Dann verweist er auf seinen erfolgreichen Einsatz im KZ Sonnenburg. Ob seinem Wunsch entsprochen wurde, ist nicht bekannt.

 

(Abbildung: Eingangstür Paster-Behrens-Str. 75, Foto: Barbara

Bahr

Hoffmann; Curt Bahr, 20. Dezember 1934, Foto: Landesarchiv Berlin, B Rep. 214, Nr. 591, Karton 102, Mappe Nr. 995)

 

Weitere Informationen über die genannten Personen stehen im Digitalen Archivsystem DAISY in der Ausstellung Das Ende der Idylle? Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung in Britz vor und nach 1933 zur Verfügung.

Kommentieren

Weitere Einträge: