Was hat ein Mops mit der Luftbrücke zu tun?

1907 Das verrät uns die neue Spende, die wir für die Sammlung des Museums erhalten haben. Familie Wolter hat den Geschichtsspeicher aufgesucht und uns vier Kartons voller Dokumente und Fotos überreicht. Über eine Stunde lang erzählt Frau Wolter, kramt in ihren Erinnerungen und lässt ein Stück von Neuköllns Vergangenheit lebendig werden.

Als erstes packen wir eine ganze Menge Fotos aus. Sie zeigen das prächtige Haus in der Hermannstraße 56/57. Es war der Stammsitz der Familie Deter. Der Schmiedemeister Otto Deter ließ es 1906 vom Architekten Willy Kind planen und bauen. Fotos und Dokumente erzählen über die Geschichte der Familie Deter und ihr Wirken in Neukölln. Otto Deter war ein wohlhabender Mann mit mehreren Häusern in Rixdorf, von diesen Häusern sind Baupläne, Grundrisse, Zeichnungen und diverser Schriftverkehr erhalten. Er heiratete Ottilie Nitschke, nach ihr sind die Ottilienhöfe im Haus benannt. Im Giebel des aufwendig stuckverzierten Gebäudes sind die Initialen des Ehepaares zu erkennen: OD. Die zwei lebensgroßen Stuckfiguren stammen aus der Werkstatt des bekannten Stuckateurs und Bildhauers Georg Behnke. Die rechte Figur mit Hammer, Zange und Hufeisen ist Otto Deter selbst nachempfunden. Auf dem Grundstück befanden sich insgesamt drei Hinterhöfe, die einen Zugang zur querverlaufenden Steinmetzstraße (heute Kienitzer Straße) ermöglichten. Hier waren die „Englische Hufbeschlag- und Schmiedewerkstatt“ von Otto Deter untergebracht, sowie eine Stellmacherei, eine Wagenbauwerkstatt und eine Melkerei. In dem Haus mit sechs Aufgängen wohnten insgesamt 75 Mietparteien, in der „Bel Etage“ auch Familie Deter selbst (siehe Foto). Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus teilweise zerstört und nicht mehr im ursprünglichen Zustand wieder aufgebaut. Heute ist die Fassade eher unscheinbar.

Aber zurück zum Mops. Johanna Deter, die Ehefrau des jüngsten Sohnes von Otto Deter, begann in den 1940er-Jahren eine Mopszucht in ihrer Wohnung in der Hermannstraße 56/57.

1948 bekam sie eine ganz besondere Anfrage: ein Pilot der Berliner Luftbrücke wünschte sich einen kleinen Mops. Diesem Wunsch kam Johanna Deter gern nach und überreichte Cap. Robert Livesay einen Mopswelpen. Wie lange der Mops in den USA lebte, war nicht in Erfahrung zu bringen. Aber beim Tag der Offenen Tür auf dem Flughafen Tempelhof 1978, genau 30 Jahre später, zeigte Johanna Deter den Fotografen den Ur-Ur-Enkel des Mopses, der damals in die Vereinigten Staaten einreiste.

An die vielen Hunde aus der Mopszucht in der Wohnung denkt unsere freundliche Spenderin Frau Wolter übrigens nicht so gerne zurück. Sie lebte als Pflegetochter bei Familie Deter und musste als junges Mädchen die Vierbeiner ständig Gassi führen…

(Abbildungen: Familie Deter auf dem Balkon in der Hermannstr. 56 / 57, 1907, Foto: Museum Neukölln; Johanna Deter, Capt. Robert G. Livesay und der Mops, 1948, Foto: Museum Neukölln; Erhard und Johanna Deter mit dem Ur-Ur-Enkel des Mopses, der in die USA ging, 1978, Foto: Museum Neukölln)

 

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Kommentare

  1. Chris Lachman schrieb am 9. März 2016 um 11:54 Uhr

    HELLO,

    my name is Chris Lachman. My father’s name was Gustav Lachman. His fathers name was August Wilhelm Rudolf Lachmann born 27 July 1889 at 26 Schiller Street, Rummelsburg, Berlin.

    Rudolf’s mother died in 1900. I am told that Rudolf then went to live with the Deter family in Rixdorf. He lived there for 7 years then moved to Breslau to learn to be a blacksmith. In 1908 he worked as a sailor on the SS Kaiser Wilhelm II. Then eventually moved to Australia in 1911. Sailing on the SS Königin Luise.

    Could this be the same Deter family in your article ? In my grandfathers letters he writes of the Deter children – Otto, Arthur, Elly, Felix, Erhard and Irma. Otto had some argument with his father but I do not know what it was about. I have located all the family birth records but have no idea if this is the same family who looked after him.

    Both my father and grandfather were wrought iron workers who had their own business in Sydney, Australia.

    If you can assist me it would be of great help.

    ALL THE BEST

    CHRIS LACHMAN – ADELAIDE – AUSTRALIA

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