Der vergebliche Kampf eines jüdischen Apothekers

Rudower 86Der Apotheker Adolph Mockrauer führt ab 1927 sehr erfolgreich die Albrecht-Dürer-Apotheker in der Rudower Allee 86. Der Niedergang der Apotheke beginnt 1935 auf Grund der antisemitischen Politik der NSDAP. Am Silvestertag desselben Jahres überreicht ein Mitarbeiter der Einfa Adolph Mockrauer in Begleitung des Britzer Amtswalters Lüdecke die Kündigung für die Apothekenräume und seine Wohnung im selben Haus. Mockrauer schreibt daraufhin einen Protestbrief an den Berliner Polizeipräsidenten: „Auf meinen Einwand, dass doch im Interesse der Bevölkerung die Apotheke weiterbestehen müsse, entgegnete Lüdecke, dass über 50 % der Bevölkerung mein Verschwinden forderten, er könne sich vor Eingaben nicht retten.“ Das Britzer Polizeirevier bestätigt: „Die Einfa hat Mockrauer gekündigt, weil sie, dem Zuge der Zeit folgend, erneute Verträge mit Juden nicht mehr eingeht.“ Grund seien „zahlreiche Beschwerden der Bewohner der Siedlung Britz gewesen“.

Mockrauer versucht dennoch, seine gut gehende Apotheke zu retten. Im April 1936 verpachtet er das Geschäft an seinen nichtjüdischen Mitarbeiter Johannes Büker in der Hoffnung, dass er dadurch von der Einfa geduldet werden würde. Ende Januar 1939 verlieren alle jüdischen Apotheker ihre Kassenzulassung, im Mai schließlich wird Juden generell die pharmazeutische Beschäftigung in Apotheken verboten. Für Mockrauer gibt es nun keine Chance mehr, seine Apotheke zu retten. Vielmehr muss er wie alle Juden in Deutschland um sein Leben fürchten. Im März 1939 gelingt ihm die Auswanderung. Er flieht nach Chile, wo er sich im September 1940 das Leben nimmt.

Im „Leistungswettkampf der deutschen Betriebe“ wird im März 1940 die Albrecht-Dürer-Apotheke als eine von vier Apotheken ausgezeichnet, obwohl es sich „um eine noch in jüdischem Besitz befindliche Personalkonzession, die im vergangenen Jahr ausgeschrieben wurde“, handelt. 1941 reißt der Apotheker und Jurist Dr. Friedrich Weber, ein Funktionär der Apothekerschaft und NSDAP-Mitglied seit Mai 1933, die Albrecht-Dürer-Apotheke an sich.

(Abbildungen: Eingangstür Rudower Allee 86, Foto: Barbara Hoffmann; Albrecht-Dürer-Apotheke in der Rudower Allee 86, 1940; Foto: Museum Neukölln)

Weitere Informationen über die genannten Personen stehen im Digitalen Archivsystem DAISY in der Ausstellung Das Ende der Idylle? Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung in Britz vor und nach 1933 zur Verfügung.

Mockrauer

Kommentieren

Weitere Einträge: