Illegale Skitouren

Parchimer 91Im Januar 1932 zieht Clemens Seifert, das Abitur frisch in der Tasche, mit seiner Verlobten, der Krankenschwester Ilse Zillich, in die in die Hufeisensiedlung.

Zunächst ist Clemens Seifert ohne feste Arbeit und engagiert sich verstärkt für die illegale KPD. In Britz wird er Unterkassierer der Partei und Kassierer der Roten Hilfe. In der Hufeisensiedlung sammelt er Geld ein und wirft illegale Druckschriften in Briefkästen oder legt sie unter die Fußmatten seiner Nachbarn. Die Aktivitäten gegen das NS-Regime kann das Paar über die Mitgliedschaft im Deutschen Sportverein Neukölln (DSV) tarnen. Hier treffen sie regelmäßig Parteigenossen und andere Widerstandskämpfer, um ihre illegale Arbeit zu organisieren. Über den Sportverein unternehmen sie unter anderem auch Skitouren in die Tschechoslowakei, wo sie sich mit führenden Parteivertretern der KPD aus Prag treffen.

Im März 1935 findet Clemens Seifert bei den Askania-Werken als Feinmechaniker Arbeit. Zusammen mit Kollegen bildet er eine politische Gruppe, die sich in der Onkel-Bräsig-Straße 119 trifft, um ihre Aktivitäten zu beraten. Der Gruppe gelingt es, für die sowjetischen Zwangsarbeiter in den Askania-Werken Geld, Lebensmittel, Kleidung und Zigaretten zu sammeln. Im Dezember desselben Jahres heiratet Clemens Seifert seine Parteigenossin Ilse Zillich. Fünf Jahre später ziehen sie in die Parchimer Allee 91. Als die Seiferts von der lebensbedrohlichen Lage der Jüdin Margot Guttmann erfahren, planen sie gemeinsam mit Mitgliedern der DSV ihre Flucht in die Schweiz. Als diese scheitert, nimmt das Ehepaar Margot Gutmann bei sich auf und versteckt sie fast zwei Jahre lang in ihrer Wohnung, obwohl im Erdgeschoss der stellvertretende NSDAP-Ortsgruppenleiter Erich Bleuel wohnt.

Das Ehepaar Seifert und Margot Gutmann überleben die Zeit des Nationalsozialismus.

 

(Abbildung: Eingangstür Parchimer Allee 91, Foto: Barbara Hofmann)

Weitere Informationen über die genannten Personen stehen im Digitalen Archivsystem DAISY in der Ausstellung Das Ende der Idylle? Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung in Britz vor und nach 1933 zur Verfügung.

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