Schlechte Neuigkeiten

Hüsung 27In ihrer Wohnung im Hüsung 27 wartet Stanislawa Sellheim 1945 auf eine Nachricht ihres Mannes Max. Seit einigen Jahren leben beide getrennt. Erst als seine Unterhaltszahlungen ausbleiben, erfährt sie, dass er wegen illegaler politischer Tätigkeit in Haft ist.

Max Sellheim ist ein viel beschäftigter Funktionär, als er 1928 mit seiner Familie in die Hufeisensiedlung zieht. Über Jahre hinweg war der Gewerkschafter Stadtverordneter, zunächst für die USPD, später dann für die KPD. Für die Legislaturperiode 1925 bis 1928 sitzt er im Preußischen Landtag und gehört der KPD-Bezirksleitung Berlin-Brandenburg an. Zudem ist er ist im Rotfrontkämpferbund, in der „Roten Hilfe“ Deutschland und im Arbeiter-Athletenbund aktiv.

Mit Stanislawa bewohnt er vier Jahre lang die Wohnung in der Hufeisensiedlung, dann, im Jahr 1932, verlässt Max Sellheim den Hüsung und zieht nach Pankow-Blankenburg. Mit Beginn der nationalsozialistischen Diktatur arbeitet er in der Illegalität. Als Bezirksleiter regelt Sellheim den Versand verbotener Zeitschriften der „Roten Hilfe“ aus einem illegalen Büro, das im April 1936 durch die Gestapo auffliegt. Sellheim wird wegen „Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens“ zu fünf Jahren Haft verurteilt. Als im Jahr 1941 seine Entlassung ansteht, nimmt ihn die Polizei in „Schutzhaft“ und interniert ihn im Konzentrationslager Sachsenhausen. Sellheim leistet Zwangsarbeit, überwiegend als Maler in verschiedenen Arbeitskommandos.

Ende April 1945, als sich die alliierten Truppen Sachsenhausen nähern, treiben die Wachmannschaften der SS ihre rund 33 000 Häftlinge auf den Todesmarsch Richtung Nordosten. Die Gefangenenkolonne mit Max Sellheim verlässt das Lager zum Schluss. Nach mehreren Tagen Fußmarsch, auf dem Tausende Menschen durch Erschießungen, Tieffliegerangriffe oder Entkräftung sterben, wird die Kolonne Anfang Mai schließlich von der Roten Armee überholt. Bei einem Schusswechsel zwischen SS und sowjetischen Truppen wird der völlig erschöpfte Max Sellheim von einem Geschoss tödlich getroffen.

Der Todestag wird auf den 3. Mai 1945 datiert. Sein Grab befindet sich im Ehrenhain in Parchim.

Stanislawa Sellheim zieht nach Kriegsende in das Haus Hüsung 27 ein und erfährt hier vom Tod ihres Mannes.

 

(Abbildung: Eingangstür Hüsung 27, Foto: Barbara Hoffmann)

Weitere Informationen über die genannten Personen stehen im Digitalen Archivsystem DAISY in der Ausstellung Das Ende der Idylle? Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung in Britz vor und nach 1933 zur Verfügung.

Kommentieren

Weitere Einträge: