Erklärungsnot

Parchimer 671945 wird die 2 ½-Zimmer-Wohnung in der Parchimer Allee 67 des NSDAP-Mitglieds Arthur Geier vom Sonderdezernat für das Vermögen ehemaliger Nationalsozialisten beschlagnahmt. Geier weigert sich jedoch, die Wohnung zu verlassen und erhebt Einspruch gegen die Beschlagnahme bei der Neuköllner Schiedsstelle. Fälle dieser Art sind nicht ungewöhnlich. Viele ehemalige NSDAP-Mitglieder versuchen nach dem Krieg, ihre Parteizugehörigkeit mit Unwissenheit oder Zwang zu erklären.

Geier, ab 1914 Angestellter beim Arbeitsamt Neukölln, ist in der Weimarer Republik SPD-Mitglied und in der Freien Gewerkschaft organisiert. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten befürchtet er, seine Arbeit zu verlieren. Er steht bereits dreimal auf einer Abbauliste seines Arbeitgebers und wird von den NS-Organisationen SA und SS zum Eintritt aufgefordert. Geier entscheidet sich für die Mitgliedschaft im Reichsluftschutzbund, um weiteren Forderungen der Nationalsozialisten aus dem Weg zu gehen, seine berufliche Position nicht aufs Spiel zu setzen und der Zivilbevölkerung zu nutzen. Er gibt an, niemals weder in der zivilen Tätigkeit jemanden bei der Luftschutzpolizei angezeigt, noch während seiner achtjährigen NS-Parteizeit jemanden verfolgt zu haben. Erst Recht habe er keine Uniform getragen. In seinem Beruf beim Neuköllner Arbeitsamt habe er gewiss menschlich und sozial gehandelt, besonders im Fall von politisch gemaßregelten Arbeitern, denen er vielfach die Rückkehr in einen Beruf vermittelt habe, wie ein Schreiben des 1939 aus dem Zuchthaus entlassenen Sozialisten Hans Spaltenstein beweisen möge.

Der Entnazifizierungsbehörde liegt hingegen ein Dokument folgenden Inhalts vor:

„Hiermit bestätige ich, daß ich am 20. April 1938 in Berlin vom Stellvertreter des Führers Pg. Rudolf Heß auf den Führer Adolf Hitler feierlich vereidigt worden bin. Arthur Geier, Ortsgruppenmitarbeiter, Ortsgruppe Britz-Ost, NSDAP Gau Berlin.

Ich schwöre Adolf Hitler unerschütterliche Treue. Ich schwöre ihm und den Führern, die er mir bestimmt, unbedingten Gehorsam.“

Die Entscheidung der Schiedsstelle ist nicht bekannt.

 

(Abbildung: Eingangstür Parchimer Allee 67, Foto: Barbara Hoffmann)

Weitere Informationen über die genannten Personen stehen im Digitalen Archivsystem DAISY in der Ausstellung Das Ende der Idylle? Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung in Britz vor und nach 1933 zur Verfügung.

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