Jahresrückblick 2013

Unter dem Motto „Die Rückkehr des Minotaurus“ sind wir mit Skulpturen von Bärbel Dieckmann in das Jahr 2013 gestartet. Eine Ausstellung, die durch Bezüge in die griechische Mythologie wesentliche Themen der Menschheitsgeschichte berührte: Gewalt, Ausgrenzung, Schmerz, Verrat, aber auch die maßlose Schönheit der Kreatur Mensch. Viele Besucher fühlten sichangesprochen durch die Verzweiflung, die das Mensch-Tier-Wesen auszeichnet, und herausgefordert, eine andere Haltung gegenüber dem Fremden und Anderen einzunehmen. Eine Stück Utopie im Gewand der sehr beeindruckenden Arbeiten der Berliner Bildhauerin.

So war dann auch die Frage, wie wir aus dem Labyrinth des Schreckens der Vergangenheit mit Hilfe von Ariadnes Faden herausfinden, die Brücke zum Themenjahr 2013 „Zerstörte Vielfalt“. Mit der Präsentation der Ergebnisse von zwei Jahren intensiver Forschung zur Geschichte der Hufeisensiedlung und Krugpfuhlsiedlung in Britz hat sich das Museum Neukölln an diesem Gemeinschaftsprojekt von Museen und Geschichtsinitiativen zum 80. Jahrestag der Machtübergabe an die Nationalsozialisten beteiligt. In der Ausstellung „Das Ende der Idylle?“ wurde fassbar wie die Nationalsozialisten eine wohnungspolitische Utopie von Gemeinschaft und Solidarität zerstört haben. 50 Türen führten in der Ausstellung in die konkreten Lebensschicksale von Menschen ein. So wurde Geschichte im nachbarschaftlichen Kontext anschaulich und detailliert nachvollziehbar. Zu über 1400 Personen konnten die Besucher im digitalen Archivsystem (Daisy) recherchieren, die einst in der Hufeisensiedlung gelebt haben. Über 12 000 Personen haben bis jetzt die Ausstellung besucht. Was für ein riesiger Erfolg! Kein Wunder, dass der Katalog mittlerweile vergriffen ist. Großer Dank gebührt hier nochmal dem Hauptstadtkulturfonds, dem Förderverein Schloss Britz und der degewo, die das Projekt großzügig unterstützt haben.

Es freut uns besonders, dass viele Schulklassen die Chance genutzt haben, auf diese Weise in die Geschichte des Nationalsozialismus einzusteigen. Zwei Theaterworkshops konnten mit Hilfe des Fonds Kulturelle Bildung finanziert werden.

Unter dem Titel „Tür an Tür mit einem Nazi“ haben die Schülerinnen und Schüler Lebensgeschichten aus der Siedlung in Szenen umgesetzt und sich dadurch sehr intensiv in die Zeit und die politischen Umstände hineinversetzen können. Diese Auseinandersetzung mit der Geschichte des NS führte auch zu konkreten Aktionen. So haben Schulklassen die Patenschaft von Stolpersteinen im Bezirk übernommen.

Eine Gesprächsrunde des Museums Neukölln, die sich unmittelbar mit den Folgen der NSU-Morde auseinandersetzte, thematisierte die verheerende Wirkung, die die rassistische Nazi-Ideologie auch heute – leider auch in Neukölln – noch hat. Einen Zusammenschnitt der Veranstaltung haben wir hier für sie bereitgestellt.

Gratulieren durften wir in diesem Jahr den Trägern des Europa Nostra Preises, Katrin Lesser und Ben Buschfeld. Mit „Tautes Heim“ haben sie ein Haus in der Hufeisensiedlung liebevoll im Original-Stil der späten 20er und unter Berücksichtigung der Pläne seines Architekten Bruno Tauts rekonstruiert. Alles in allem ein sehr erfolgreiches Jahr, das sich durch die begeisterte Resonanz unserer Besucherinnen und Besucher auszeichnet. So können wir mit Optimismus und Zuversicht ins neue Jahr schauen und freuen uns auf unsere Gäste in den Ausstellungen, im Archiv und bei Veranstaltungen.

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