„Diese Schallplatte ist ein Familienvermächtnis.“

Noch heute hört Heide-MaWerner_01rgret W. die Lieder, die ihr an die Seele gehen, gern bei der Arbeit in Haus und Garten. Sie erinnert sich dabei an ihre Großmutter, die stets Mittelpunkt der Familie war, und an ihre eigene Mutter, der sie diese Platte gemeinsam mit dem Vater zu Weihnachten 1964 geschenkt hat.


„Ich kann mich noch daran erinnern, wie unser zierliches Omchen, Jahrgang 1883, auf dem Sofa gesessen und diese Lieder mit ihrer zarten Stimme gesungen hat. Sie war ja selbst um 1900 von Schlesien nach Berlin als Küchenmädchen in Stellung gegangen und hat von den anderen Dienstmädchen diese Lieder gelernt. Vor allem „Mariechen saß weinend im Garten“ beschreibt sehr gut die Situation dieser jungen Frauen, die ihre Stellung verloren und als „gefallene Mädchen“ geächtet wurden, wenn sie ein uneheliches Kind bekamen. Dieses Lied geht mir sehr zu Herzen. Als ich meine Mutter bis zu ihrem Tod gepflegt habe, spielte ich ihr immer diese Platte vor. Dann war sie selig und fühlte sich in ihre Kinderzeit versetzt. Die Lieder kannte sie ja alle noch von ihrer Mutter, unserem Omchen. Für mich war unsere Oma immer etwas ganz Besonderes. Sie hat zwei Weltkriege miterlebt und einen ihrer Söhne früh durch einen Unfall verloren. Das alles hat sie überlebt und die Familie zusammengehalten und um sich geschart.

Interview und -bearbeitung: Barbara Hoffmann, Volker Banasiak

Diese und 49 weitere persönliche Erinnerungen sind in der Ausstellung Mythos Vinyl vom 17. Mai bis 28. Dezember 2014 im Museum Neukölln nachzulesen.

Interpreten: Diverse
Titel: Mariechen saß weinend im Garten
Komponist: musikalische Bearbeitung: Hartmann Goertz; Text: Joseph Christian Freiherr von Zedlitz und Nimmersatt
Album: Lieder aus der Küche. Verklungene Melodien von Liebe und Leid
Veröffentlicht: Polydor, 1963

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