„Das Saxophon von John Coltrane – sagenhaft!“

JohnColtrane1209Als Rudolf R. 1971 nach Neukölln zieht, hört er oft die Sendung „S-F-Beat“. Täglich werden amerikanische und englische Hits, Tipps und Informationen für junge Leute gesendet. Rudolf nimmt an einem Preisausschreiben teil und gewinnt eine LP seiner Wahl: Er entscheidet sich für „Olé“ von John Coltrane, dessen Musik er in Frankreich kennengelernt hat.
„1967 bin ich über das internationale Arbeitsamt nach Caen vermittelt worden. Dort habe ich für eine norwegische Holzfirma am Hafen Holz umgeladen. Gewohnt habe ich im Studentenwohnheim. Auf meinem Flur lebten Franzosen und Afrikaner. Abends wurde ständig Coltrane gehört. Da habe ich mich zum ersten Mal für diese Musik begeistert. Coltranes Hinwendung zu afrikanischen Themen hat uns damals sehr interessiert, denn viele standen auf Seiten der Black-Power-Bewegung in den USA. Mich haben vor allem die Emotionen berührt, die Coltranes Musik ausgelöst haben. Im Stück Olé werden zwei gezupfte Bässe als Rhythmus-Instrumente mit immer den gleichen Läufen unterlegt – das hat schon etwas Meditatives. Und darüber liegt eine wunderschöne, leichte Trompete, gespielt von Freddy Hubbart, dazu das Saxophon von John Coltrane – sagenhaft!
Ich glaube nicht, dass sich Coltrane als politischer Musiker verstanden hat. Doch allein seine Hinwendung zu afrikanischen Themen war politisch.“

Rudolf R. lebt seit Jahren in der Britzer Krugpfuhlsiedlung und war Lehrer an einer Neuköllner Schule.

Am 9. Dezember 1964, vor genau 50 Jahren, nimmt John Coltrane das Album „A Love Supreme“ im Van Gelder Recording Studio in New Jersey auf. Es wird das berühmteste und erfolgreichste Album des Jazzmusikers und gilt bis heute als Coltranes Meisterwerk.

Interview und -bearbeitung: Barbara Hoffmann, Volker Banasiak

Diese und 49 weitere persönliche Erinnerungen sind noch bis 28. Dezember 2014 in der Ausstellung Mythos Vinyl im Museum Neukölln nachzulesen.

Interpret: John Coltrane
Titel: Olé
Komponist: John Coltrane
Album: Olé Coltrane
Veröffentlicht: Atlantic Records, 1962

(Foto: Friedhelm Hoffmann / Museum Neukölln)

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