#4 Ist es wahr, dass die Dichter lügen?

Gedichte sind Paolos persönlicher Schatz: diese kann man meistens am Stück lesen, Romane hingegen nur häppchenweise. Am liebsten liest er sie in der Originalversion. Wegen seiner Leidenschaft für die Lyrikerin Wisława Szymborska hat er sogar angefangen, Polnisch zu lernen. Zufällig las er einen Nachruf auf Szymborska, von der er zuvor noch nie gehört hatte. Kurz darauf kaufte er sich die mehr als 700 Seiten dicke polnisch-italienische Ausgabe, die seither zu seinen Lieblingsbüchern zählt.

Auch sein zweites Lieblingsbuch ist das eines Literaturnobelpreisträgers. Von dem italienischen Dichter Eugenio Montale besitzt er eine wertvolle Ausgabe seiner Gedichte: 1245 Seiten auf Dünndruckpapier im Schmuckschuber. „Keine leichte Kost“, wie er zugibt. Doch die Dichtung Montales spendete ihm Trost und lieferte Antworten auf existenzielle Fragen zu einer Zeit, in der es Paolo nicht gut ging.

Als er den Roman Oskar und die Dame in Rosa zum ersten Mal las, weinte er sich die Augen aus. Die Geschichte hat ihn so sehr berührt, dass er sie mindestens fünf Mal gelesen hat. Ist es ein Zufall, dass Paolos Lieblingsbücher immer traurige, ernste Themen behandeln? Er meint, es sei viel einfacher, melancholische als heitere Gedichte zu finden. Und überhaupt: „Wenn man glücklich ist, schreibt man nicht.“

 

Paolos Shortlist:

Montale: Tutte le poesie, Mailand 1984
Éric-Emmanuel Schmitt: Oscar et la dame rose, Stuttgart 2012
Wisława Szymborska: La gioa di scrivere, Mailand 2012

(Fotos: Friedhelm Hoffmann / Museum Neukölln)

 

Das Hörstück ist Teil der Ausstellung Die Magie des Lesens, die vom 13. Mai bis 30.Dezember 2016 im Museum Neukölln läuft.

Kommentieren

Weitere Einträge: