#6 Die Schnellleserin

Dass Friederike viel liest, wird durch einen Blick in ihre Wohnung unübersehbar – an allen Plätzen, wo sie einen Moment verweilen kann, liegen aufgeschlagene Bücher. Für sie ist Lesen nicht nur der Inbegriff von Freude, Glück und Entspannung. Aus beruflichen Gründen musste Friederike auch zur Schnellleserin avancieren, um den Überblick über die neuesten Krimis, Romane und Sachbücher zu behalten, denn gemeinsam mit einer Kollegin leitet sie eine Buchhandlung am Richardplatz.

Wie ein roter Faden zieht sich ihr Interesse an starken Frauen durch Friederikes Lesebiographie. Als Kind begeisterte sie sich für das Mädchen Rike, das auf einem Hasen durch die Seiten des gleichnamigen Kinderbuchs ritt. Später dann war es die DDR-Schriftstellerin Christa Wolff, deren Kassandra in ihrem Ringen um Autonomie als Symbol für die Erfahrungen von Frauen in der Geschichte stand.

Zu Friederikes Lieblingsbüchern zählt auch der 2014 erschienene Neukölln-Krimi Tod in der Hasenheide. Viele Jahre hat Friederike in der unmittelbaren Nachbarschaft des Neuköllner Parks gewohnt, der in Connie Roters Roman zum Schauplatz eines Mordes wird. Trotz der vertrauten Umgebung eröffnete ihr das Buch, das sich um traumatisierte Bundeswehrsoldaten dreht, jedoch auch den Blick auf Neues. Denn neue Welten und Räume zu eröffnen, das macht für Friederike die Magie des Lesens aus.

 

Friederikes Shortlist:

Christa Wolff, Kassandra, Frankfurt am Main 2008.
Ute Gerhardt, Frauenbewegung und Feminismus, München 2009.
Egon Aderhold, Rike, Berlin (Ost) 1989.
Matthew Thomas, Wir sind nicht wir, Berlin 2004.
Connie Roter, Tod in der Hasenheide, Köln 2014.

 

(Fotos: Friedhelm Hoffmann / Museum Neukölln)

Das Hörstück ist Teil der Ausstellung Die Magie des Lesens, die vom 13. Mai bis 30.Dezember 2016 im Museum Neukölln läuft.

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