#10 Lebe dein Leben bis zum Äußersten

Als Julius Hertzfeld bei einer Routineuntersuchung Krebs diagnostiziert bekommt, überfordert ihn die Aussicht des eigenen Todes zunächst. Nach einigen Tagen jedoch beschließt er, in dem verbleibenden Jahr seines Lebens mit dem fortzufahren, was er am meisten liebt: seiner Arbeit als Psychotherapeut. Eine Gruppentherapie hilft ihm, vor dem Tod mit sich selbst ins Reine zu kommen.

Wie Irvin Yalom von Julius‘ Konfrontation mit dem Sterben erzählt, hat Jens sehr beeindruckt. Seiner zerfledderten Ausgabe von The Schopenhauer Cure ist unschwer anzusehen, dass sie mehr als einmal gelesen wurde. Das Buch hat Jens nicht zuletzt inspiriert, da ihm selbst 2001 HIV diagnostiziert wurde. Zwar ist dies heute „kein Todesurteil“ mehr, wie er feststellt. Mit dem Thema Tod konfrontiert ihn die Erkrankung dennoch.

Als „Trip in die eigene Vergangenheit“ bezeichnet Jens demgegenüber das zweite Buch, das er für die Ausstellung ausgewählt hat: Abel und Joe von Michael Sollorz. Der Roman handelt vom Filmkritiker Abel, der an einem Augusttag seinen Freund Joe sucht, der aus der gemeinsamen Wohnung in Friedrichshain verschwunden ist. Auf der Suche findet er neben melancholischen Erinnerungen vor allem Sex. Für Jens beschreibt das Buch das schwule Leben im Berlin der 1990er Jahre, wie er es auch selbst erfahren hat.

 

Jens‘ Shortlist:

Irvin D. Yalom, The Schopenhauer Cure, New York 2006.
Michael Sollorz, Abel und Joe, Berlin 1994.

 

(Fotos: Friedhelm Hoffmann / Museum Neukölln)

Das Hörstück ist Teil der Ausstellung Die Magie des Lesens, die vom 13. Mai bis 30.Dezember 2016 im Museum Neukölln läuft.

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