Eine Idee nimmt Gestalt an

Dr. Udo Gößwald,Wolfgang Schimmang, Heinz Buschkowsky (v.l.n.r.), Foto: Bruno Braun

Dr. Udo Gößwald,Wolfgang Schimmang, Heinz Buschkowsky (v.l.n.r.), Foto: Bruno Braun

Als ich vor etwas mehr als zwei Jahren den Auftrag erhielt, eine kleine Dauerausstellung am neuen Standort des Museums Neukölln auf dem Gutshof Britz zu realisieren, wusste ich, jetzt hat Deine Stunde geschlagen. Niemals hätte ich mir diese Aufgabe selbst gestellt, weil ich seit 20 Jahren auf jedem Kongress vor Dauerausstellungen warne. Das war nun der Preis für das Angebot einer neuen Behausung für das Museum, nachdem man uns eine Weile in die Obdachlosigkeit schicken wollte. Mir war aber schnell klar, dass dieser Auftrag mich herausfordern würde, mit dem zu operieren, was unsere Stärke ausmacht: mit Objekten, die durch unsere Sammlungstätigkeit und Forschung über das Potential verfügen, als Schlüssel für die komplexen Dimensionen der Neuköllner Kultur- und Sozialgeschichte zu dienen.

So entstand die Idee zu einer Ausstellung mit dem Titel 99xNeukölln, deren Konzeption ich dem Bezirksamt im Frühjahr 2008 vorgelegt habe. Der objektbezogene Grundansatz stieß auf offene Ohren, der vorgesehene Einsatz der Medien auf Skepsis. Intensiv befragt wurde die Auswahl der Objekte, die ja in Ihrer Gesamtheit grundlegende Strukturen der Neuköllner Sozial- und Kulturgeschichte erkennen lassen sollen.

Fortsetzung folgt.

Kommentare

  1. Claudia schrieb am 15. Februar 2010 um 10:09 Uhr

    Sehr geehrter Herr Gößwald,
    Warum warnen Sie denn vor Dauerausstellungen? Sicher ist der Hauptaspekt dagegen ihre Unflexibilität auf aktuelle Themen einzugehen. Nicht wenige Besucher freuen sich aber auch, bestimmte Objekte immer wieder zuverlässig sehen zu können. In der Burg Mylau zum Beispiel gibt es einen Schrank mit Kuriositäten, den ich seit meiner Kindheit kenne und mich immer wieder freue, ihn unverändert zu sehen.
    Wie könnte man denn eine Dauerausstellung gestalten, die beides schafft: Aktualität und solche „Objekterinnerungen“?

    Viele Grüße

    Claudia

  2. Hallo Claudia,

    Ich kann verstehen, dass es ein emotionales Bedürfnis gibt, Dinge im Museen wiederzusehen. Bei Dampfmaschinen, Dinosauriern und Walfischknoten habe ich nichts dagegen, aber die Welt dreht sich
    und die Wissenschaft sollte immer wieder neue Blickwinkel auf Kultur und Geschichte anbieten. Es kommt, glaube ich, im Museum darauf an, die richtige Mischung zwischen statischen und dynamischen oder diskursiven Elementen zu finden. Viele Dauerausstellungen suggerieren dem Besucher: das ist die Geschichte und sie ermöglichen und motivieren den Besucher nicht, seine eigenen Bezüge zu finden. Wir werden in unserer neuen ständigen Ausstellung „99 x Neukölln“ auch nur eine Auswahl an Objekten zeigen, die den Besucher anregen sollen, sich selber über die angebotenen Medien mit weiteren Aspekten der Geschichte und Gegenwart Neuköllns zu beschäftigen. Außerdem kann er über die Funktion „my story“ seine eigenen Geschichten zu Dingen erzählen. Ich werde über unsere neue Konzeption am Freitag weiterbloggen.

    Herzliche Grüße

    Udo Gößwald

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