Auswahl der Objekte

Dienstbotenruf, Foto: Friedhelm Hoffmann

Dienstbotenruf, Foto: Friedhelm Hoffmann

Da in den letzten Wochen in diesem Blog bereits einige der Objekte vorgestellt wurden, die in der ständigen Ausstellung „99 x Neukölln“ präsentiert werden, liegt die Frage nahe, wie eigentlich die Auswahl getroffen wurde. Darauf will ich heute eingehen und erst nächste Woche in meinem Freitagsblog etwas zum Geschichtsspeicher schreiben.

Allerdings ist die Frage nicht einfach zu beantworten, denn sie ist vergleichbar mit der Frage an einen Regisseur wie er einen Film oder ein Theaterstück gemacht hat. Es geht  nämlich bei der Konzeption einer Ausstellung auch um einen künstlerischen Prozess.  Meine Grundidee für die Ausstellung „99 x Neukölln“ war die Überlegung, mit 99 Objekten dem Besucher einen visuellen Anreiz zu bieten, sich mit unterschiedlichsten Aspekten der Neuköllner Geschichte und Gegenwart zu beschäftigen. Vorrang im Auswahlprozess der Dinge, die Neukölln repräsentieren sollten, hatte die sinnliche Wirkung des Exponats, also ein ästhetisches Prinzip. Das ausgewählte Objekt sollte den Betrachter ansprechen, ihn neugierig machen und in  seinen Bann ziehen. Dabei wurde darauf geachtet, dass eine Balance zwischen  vermeintlich bekannten Dingen, weniger bekannten und unbekannten Dingen entsteht, um dem Besucher Anknüpfungspunkte für sein eigenes Wissen zu bieten.

Nach dieser Vorauswahl wurde jedes Objekt nach seiner möglichen Schlüsselfunktion für einen narrativen Kontext durchleuchtet und verschiedenen strukturellen Fragen zeitlicher, topographischer und thematischer Relevanz zugeordnet. Daraus entstand ein Kosmos Neukölln, der historische, soziale und politische Aspekte der Geschichte und Gegenwart des Bezirks Neukölln in einem Wissensnetz zusammenführt. Dieses Wissensnetz wird – wie Sie aus unserem Blog schon wissen – auf einer digitalen Ebene entfaltet und ermöglicht es dem Besucher, nach seinen Interessen in verschiedene thematische Vertiefungsebenen vorzudringen und Texte, Fotografien, Audio- und Filmsequenzen abzurufen. Die 99 ist übrigens nicht nur die Trikotnummer des weltberühmten kanadischen Eishockeyspielers Wayne Gretzky, sondern sie symbolisiert in der chinesischen Kultur das Unabgeschlossene oder Unendliche, denn auch die Interpretation von historischen Prozessen ist ein niemals abgeschlossener Vorgang.

Fortsetzung folgt

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