Der Grabstein in der Laube

Grabstein von Lucie Harrott, Foto:Firedhelm Hoffmann

Grabstein von Lucie Harrott, Foto:Friedhelm Hoffmann

Dieser Grabstein erinnert an Lucie Harrott, geboren im September 1903, gestorben im April 1914. Lucie war ein hübsches Kind, mit langen blonden Locken, litt aber leider an einer rheumatischen Erkrankung, an deren Folgen sie letztendlich starb. Otto Harrott, Lucies Vater, war Mosaiksetzer und fertigte den Grabstein mit floralen Mustern aus Mosaiksteinchen für seine Tochter an. Doch der Stein war für eine Kindergrabstätte zu groß. Daher wurde er umfunktioniert und diente fortan als Trittstein vor der Wasserpumpe in der Laube der Familie in der Kolonie Kap Horn am Dammweg.

Die Kindersterblichkeit in Rixdorf war übrigens um die Jahrhundertwende erschreckend hoch. 22 Prozent der ehelich geborenen Kinder starben 1905 kurz oder wenige Monate nach ihrer Geburt, bei unehelich Geborenen lag der Anteil sogar bei 42 Prozent. Ursachen dafür waren falsche Ernährung, schlechte Wohnverhältnisse und mangelhafte Pflege in den kinderreichen Arbeiterfamilien Rixdorfs.

Lucie mit Familie, Foto: Museum Neukölln

Lucie (vorne links) mit Familie, Foto: Museum Neukölln

Kommentare

  1. Udo Harrott schrieb am 30. März 2015 um 14:44 Uhr

    Sorry, für mich war die Ansicht dieses Grabsteines, auf der Suche nach Daten über mich selber, ein totaler Schock.
    Es ist schon sehr gruselig den absolut richtigen Namen der eigenen Mutter, geb 1911 – verst. 1981 auf einem Grabstein
    von 1914 zu lesen, zumal die schreibweise des Vornamens nicht sehr gebräuchlich ist und auch der Nachname i in
    Deutschland nur aus 2 kleinen Lineien bekannt und in Amirika fast wie Schmitt.

  2. Worum geht diese Ausstellung denn?
    Um Grabsteine?
    Oder doch eher um das Leben in Neukölln zu Beginn des 20. Jahrhunderts?
    Es ist ja nun wirklich eine interessante Geschichte ;)

  3. Jennifer Rasch | Öffentlichkeitsarbeit schrieb am 5. Oktober 2017 um 10:05 Uhr

    Ausgehend vom Objekt des Grabsteins werden die Umstände und das Lebens in Neukölln zu Beginn des 20. Jahrhunderts erläutert. In der Ausstellung „99 x Neukölln“ wird so anhand von 99 Objekten die kulturelle, soziale und politische Geschichte des Bezirks verdeutlicht.

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