Recherchen sind nicht immer einfach

Flachspülbecken aus der Gründerzeit, Foto: Friedhelm Hoffmann

Flachspülbecken aus der Gründerzeit, Foto: Friedhelm Hoffmann

Unsere aufmerksamen Blog-Leser können sich sicherlich noch an dieses wunderschöne Toilettenbecken erinnern, welches wir am 1. Februar  vorgestellt haben. Unsere Projektmitarbeiterin Karolin Steinke hatte dieses Flachspülbecken aus der Gründerzeit auf ihrer Objektliste. Die Recherche zu diesem Gegenstand sollte sich als nicht ganz einfach erweisen. „Auf der Objektkarte stand „Spende Thomas Lohrke 1987“, aber ohne Adresse oder Telefon.  „Ich wollte unbedingt dahinter kommen, wer dieser Lohrke ist und wie er an dieses WC gekommen ist“ verrät uns Karolin Steinke. Im Berliner Telefonbuch gab es keinen Mann mit diesem Namen, aber einige Lohrkes. Bei einer Dame hatte sie dann Glück. Es war die Mutter von jenem Thomas Lohrke, der jetzt allerdings in Hamburg lebt. Erneuter Griff zum Telefon. Thomas Lohrke konnte sich noch gut an seine 60-qm-Wohnung in der Emserstraße 116 erinnern: Vorderhaus, 3. Stock. Mitte der 1980er Jahre war er da eingezogen und im Bad war dieses herrliche WC mit stark abgenutzter hölzener Klosettbrille. Dazu ein Spülbecken mit Kordel. Die Brille hat er ersetzt, aber das WC noch eine Weile weitergenutzt. Als er auszog, fand er es zu schade für den Müll und übergab es 1987 dem Museum Neukölln. Zum Glück, denn das WC ist ein echtes Schmuckstück  der englischen Firma Johnson Bros., die in Wesel eine Steingutfabrik hatte und die dort hergestellte Sanitärkeramik auch in Deutschland vertrieb.

„Lustig war mein Besuch in der Emserstraße, beziehungsweise mein Versuch, die Wohnung zu fotografieren, in der das WC gestanden hat“ erinnert sich Karolin, „Unten in der Hausnummer 116 ist jetzt ein türkisches Cafe. Da das Bad mit dem WC zum Hof hinausging, wollte ich gern den Hinterhof fotografieren. Als ich dieses im Detail dem Cafebesitzer erklärte, war der zu Tode erschrocken, da er dachte, ich wäre vom Gesundheitsamt und wollte mir sofort sein Klo im Cafe zeigen. Sein Misstrauen legte sich auch nicht, als ich im Hof meine Fotos gemacht hatte. Bei einem Glas türkischen Tee unternahm ich einen weiteren Versuch, es ihm zu erklären. Ein WC im Museum? Das war ihm zu hoch“ lacht Karolin.

Als sehr kniffelig stellte sich dann noch die Frage heraus, wozu die drei Rohransätze an der Rückseite des WCs dienten. Unsere Kollegin musste viele Bücher wälzen, bis sie ein ähnliches WC mit technischer Zeichnung fand: mit  Wasserzulauf, Entlüftungsventil und Abwasserrohr.

Trotz dieser ausführlichen Objektbeschreibung sollten Sie unsere neue Ausstellung ab Mitte Mai 2010 besuchen.

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