Die Brücke zum Museum

Eine kleine Gute-Nacht Geschichte (1. Teil)

Robert sitzt auf dem Dachboden seines Elternhauses am Richardplatz in einer kleinen Kammer in einem großen Sessel, der einmal seinem Opa gehört hatte, und betrachtet aus einer Dachluke den Abendhimmel über Neukölln. Er sieht den Himmel voller Sterne und entdeckt die „große Bärin“.  Wie wäre wohl das Leben auf einem anderen Stern, denkt er. Der warme Sommerwind und das gute Abendessen machen ihn müde und schon bald schläft er ein. Er beginnt zu träumen und tritt hinaus auf eine große Brücke, die ihn ins Weltall führt. Auf seinem Weg begegnet er Dingen, die er noch nie gesehen hat. Dinge, die ihn staunen lassen, Dinge, die ihm fremd sind und ihn zugleich faszinieren.

Als erstes begegnet Robert einem alten Paar Schuhe. Er denkt sogleich an seinen Vater, der jeden morgen mit schweren Schuhen zur Arbeit geht. Doch diese hier sind schon alt und als er ihre raue Oberfläche berührt, beginnen die Schuhe von sich zu erzählen.

„Wir sind eigentlich Bergschuhe der deutschen Wehrmacht und wurden eines Tages, gegen Ende des letzten Krieges im Zentrum Europas, mit einem großen Laster von der Schweiz nach Brandenburg gebracht. Dort landeten wir im Schuppen eines Lagers für Kriegsgefangene zusammen mit vielen Tausend anderen Schuhen. Am Morgen des 23. April 1945 wurde das Lager von den Russen befreit und ein Häftling fischte uns  aus dem großen Haufen. Er zog uns an und siehe da, wir passten an seinen Fuß. Er wanderte mit uns die ganze Strecke von Brandenburg bis nach Neukölln, drei Tage lang. Nachdem der Krieg auch in Berlin vorbei war, dienten wir ihm als Arbeitsschuhe beim Wiederaufbau des zerstörten Stadtteils Britz in Berlin-Neukölln. Doch bald darauf war unsere  Zeit vorüber und wir landeten in einem Kellerregal. Schön, dass wir Dir jetzt wieder begegnen.“

Als nächstes begegnete Robert einer Art Lampe aus weißem Blech mit geschliffenem Glas und vielen Verzierungen. Ein Adler sitzt kunstvoll auf ihrer Spitze. Sie schwebt an ihm vorbei und Robert denkt, er habe eine Kutsche in der Ferne verschwinden sehen. Doch dann gelingt es ihm sie mit einer Hand festzuhalten und schon beginnt sie zu erzählen.

Fortsetzung folgt nächsten Sonntag

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