Die Brücke zum Museum

Eine kleine Gute-Nacht-Geschichte (3. Teil)

Forts. vom 18.4. – 29. Tag vor der Eröffnung

„Diese Technik stammt von der Neuköllner Firma Auer, sagte die Lampe stolz. Wir wurden erfunden, um mehr Licht in den Haushalt zu bringen. So konnten die Menschen länger zu Hause arbeiten oder lesen.“ „Und wo kommst Du her?“ fragte Robert. „Lange Zeit stand ich als Andenken an die gute alte Zeit auf der Anrichte einer alten Frau aus der Silbersteinstraße. Dann wurde ich von ihrer Tochter in die hinterste Ecke der Küchenkammer verbannt und vergessen. Schön, dass Du Dir Zeit nimmst, mich zu betrachten, denn ich bin doch sehr schön, findest Du nicht?“

Am nächsten Morgen sah Robert eine alte Nähmaschine am Rand der Brücke stehen. Sie ächzte: „Ja, die kleine Gaslampe, an die kann ich mich gut erinnern. Seitdem es sie gab, hatte ich keine Ruhe mehr. Jede Nacht wurden auf mir Uniformen genäht, bis zum frühen Morgen. Manchmal schlief die junge Frau aus der Witzlebenstraße in Neukölln, die mich für 20,- Mark auf Raten gekauft hatte, mit dem Kopf auf den Armen direkt auf mir ein.“ Robert streichelte über das schöne Holzgehäuse, das jetzt verschlossen war und sagte zu ihr: „Du arme Nähmaschine, so viele Nächte, so viel Arbeit, für so wenig Geld.“ „Die Heimarbeit der Frauen“, sagte die Nähmaschine, „hat viele Jahrzehnte lang die Familien in Rixdorf, wie Neukölln früher hieß, ernährt, weil der Verdienst der Männer viel zu gering war.“

Ein paar Hundert Meter weiter entdeckte Robert einen alten Kasten, der gegen eine Mauer gelehnt war. Er entdeckte einen Gurt an der Seite und dachte sich, ich werde Mal probieren, ob ich ihn auf dem Rücken tragen kann. Kaum war er ein paar Schritte mit dem Kasten gelaufen, sprach dieser mit tiefer Stimme zu ihm. „Hey Junge, was machst Du mit mir? So kannst Du mich wohl tragen, aber nicht, wenn ich voller Briketts aus Kohle bin. Ich bin nämlich ein Kohlenkasten. Von meiner Sorte schleppt ein Arbeiter am Tag so um die fünfzig Stück, manchmal vier Treppen hoch.“ „Das ist ja mächtig viel“, sagt Robert. „Ja, meine Firma war in der Gradestraße in Neukölln und wir haben ganz Berlin beliefert, mit Briketts, aber auch Eierkohle. Viele Männer, die das zwanzig, dreißig Jahre gemacht haben, haben sich durch mich den Rücken kaputt gemacht. Heute liefert meine Firma Heizöl und ich wurde ganz hinten im Lager einfach vergessen.“

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